Das Glück ist ein Vogerl (ARD, Mittwoch, 16. Dezember 2020, 20.15 Uhr)

Glücksplätzchen

Wer verbreiten will, dass Glück – zu Weihnachten im Fernsehen – als frohe Botschaft möglich ist, der muss zuerst das Unglück oder die Abwesenheit oder den Verlust von Glück schildern und dann Dinge eintreten lassen, die das Glück wieder herstellen, am besten als Apotheose mit viel Applaus und strahlenden Gesichtern. 

So halten es Catalina Molina als Regissuerin und Ingrid Kaltenegger als Autorin, die mit Christiane Kalls das Drehbuch nach ihrem eigenen Buch verfasst hat. Daraus ist herzallerliebste Fernsehzuckerplätzchenbäckerei geworden nach Hausfrauenart und mit herzallerliebst aufspielenden Darstellern.

Franz Brandstetter (Simon Schwarz) ist Lehrer und in der Mid-Life-Crisis. Er leidet darunter, dass er nicht Rockstar geworden ist, der sich in die Zuschauermenge wirft. Er ist verheiratet mit Linn (Patricia Aulitzky), der er schon jahrelang immer zum Geburtstag ein Wochenende zu Zweit, mit der Absicht der Wiederbelebung von Liebe und Zuneigung schenkt, nie aber Zeit zur Realisierung hat. 

Franz und Linn nehmen zwar am Befreiungsseminaren eines Glücksgurus (Stipe Erceg) teil; aber wenn die nötige Offenheit dafür nicht da ist, dann wird das Glück nie abheben oder angeflogen kommen wie ein Vogerl. 

In dieser Situation wird Franz Zeuge eines Unfalls mit einem Toten. Es ist dies Egon, Nikolaus Paryla, ein markanter Zimtstern für jedes Weihnachtsgebäck. Er ist in einem Schrottauto auf dem Weg zu seiner unerfüllten Jugendliebe Mali. Ein Zeitungsbericht über ihren Geburtstag verrät ihren Aufenthalt – auf Plausibilität von solchen Gebäckzutaten muss hier nicht viel Wert gelegt werden, so lange es zuckrig bleibt. 

Die große Waltraut Haas darf als Mali eine Komapatientin mimen, selbst das gelingt ihr eindrücklich. Franz ist Zeuge geworden des Unfalls, bei dem Egon ins Jenseits befördert wurde, und da es sich um eine Weihnachtsgeschichte handelt, – denn Franz hat dem baldigen Opfer das Einfädeln verwehrt – erscheint dieser fortan als Geist, den nur er sieht und der ihn auf seinem Weg zum Glück berät, ein schönes dramaturgisches Mittel zur Verfeinerung des Fernseh-Weihnachtsgebäcks. 

Zu einer schönen Weihnachtsgeschichte gehören immer auch mehrere Generationen. So bekommen junge Talente ihren Auftritt bei der Suche nach ihrem ersten Glück. Es sind dies Julie (Lucy Gartner); bei ihr verursacht ausgerechnet Johannes (Lino Gaier) Schmetterlinge im Bauch, ein von ihrem Vater gemobbter Schüler. Aber nicht genug, dessen Mutter wird auch noch ihren Vater psychologisch beraten. 

Zum konstruierten Glück gehört auch, dass Franz über die fesche Krankenschwester Tessa (Julia Edtmeier), die Mali betreut, Kontakt zu einer Rockband bekommt und dort einspringen soll. Die Damen Kaltenegger, Kalss und Molina haben nicht gespart an Rührstoff, Zucker und Kalorien, um nahrhafte Plätzchen fürs Weihnachtsfernsehen herzustellen. Die Schauspieler spielen wie im Glühweinrausch und die Frauen sind hübsch aufgemacht, selbst im Koma.

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