Darkroom – Tödliche Tropfen (DVD und VoD)

Ich würde mich einfach um die Getränke kümmern

meint Lars Schmieg (Bozidar Kocevski) am Telefon vor einem Date. Das ist ein tödlich-vergifteter Satz, denn ein Fläschchen mit einer besonderen Flüssigkeit ist ein Dauerrequisit in diesem Film von Rosa von Praunheim. 

Diese Flüssigkeit wird Lars seinen Opfern in das Getränk mischen, worauf sie gar nicht mehr lange leben. Schneller Exitus. Vergänglichkeit. 

Das ist der verhaltene Blick auf das Schwulenleben, mit dem Rosa von Praunheim eine wahre Begebenheit „frei bearbeitet“ hat. Die Sprödheit des Blicks auf das an sich ja höchst filmogene Milieu, was Xavier Dolan mit seinem neuen Film ‚Matthias & Maxime‘ als Ode an sprühendblühende Juend vorträgt, liegt hier auch in der Methode begründet, die an Fernsehgerichtssendungen erinnert. 

Rosa von Praunheim versucht möglichst objektiv und neutral, verschiedene Seiten des Falles, hier also eines Massenmörders im Schwulenmilieu, zu beleuchten. Es ist eine Fernsehproduktion. Aber Rosa von Praunheims Menschen- und Milieukenntnis führt zu einer differenzierten Schilderung von Vorgängen und Figuren. 

Lars stammt aus einer Studienratsfamilie in Saarbrücken, er schildert sich selbst als von Haus aus sauber, ordentlich und zielstrebig, entdeckt die Liebe zu Männern im Schwimmbad, muss für seine frisch verwitwete Oma als Ersatz herhalten; was auch nur angeführt wird und nichts erklären soll. Er wird erst Krankenpfleger, dann ein begnadeter Pädagoge.

Lars‘ große Liebe ist Roland (Heiner Bomhard), ein Lockenkopf, der von Monogamie wenig hält. Es wird eine offene Beziehung und auch deren ganze Problematik verhehlt der Film nicht. Es ist vielleicht der Grund-Zwiespalt manchen Schwulenlebens. 

Roland bildet mit Bastian (Bardo Böhlefeld) und Manuel (Lucas Rennebach) ein musikalisches Trio. Sie treten in Schwulenclubs auf mit Triangel, Ukulele und Sägeblatt. Sie sorgen im Film für die schräg-unterhaltsamen Töne und für emotionale Wärme. 

Der Film geht aus von der Gerichtsverhandlung. Lars ist als selbstmordgefährdeter U-Häftling ans Bett fixiert. Rückblenden erzählen die Geschichte, wie es zu diesen Morden kam, die weder richtige Lust- noch Raubmorde waren, erzählen von der Entwicklung der Beziehung zwischen Lars und Roland, dem Umzug nach Berlin, der Einrichtung der eigenen Wohnung. 

Der Film von Rosa von Praunheim besticht durch seinen unaufgeregt-genauen Blick auf die Geschichte und die Menschen darin und lässt eine Leere in der Liebe von Lars und Roland nicht unerwähnt.

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