Driveways

Egal, was die Leute sagen

Heute scheinen die USA, was wir gerne als Amerika bezeichnen, politisch heillos zerstritten und absolut unversöhnlich. 

Der Fim von Andrew Ahn nach dem Drehbuch von Hannah Boss und Paul Thureen erzählt wie von einem anderen Amerika, einem Amerika, in dem Versöhnung möglich ist (samt einer gewissen Süße der Erzählung nach dem Motto, Freiheit heißt: egal, was die Leute sagen und insofern für Aufrichtigkeit steht), einem Amerika, das stolz auf seine unabhängigen Filmemacher sein kann, die sich mit stupender Hingabe einer Genauzeichnung der Aufweichung von Feindbildern hingeben in einer klaren Kinosprache, die fasziniert, weil sei pointiert die Dinge zeichnet, die für die Erzählung wichtig sind und ihr Substanz verleihen. 

Es ist die Geschichte von Kahy (Hong Chau), die mit ihrem 9-jährigen Buben Cody (Lucas Jaye) unterwegs ist zum Haus ihrer verstorbenen Schwester irgendwo in der amerikanischen Provinz. Sie will es ausräumen und verkaufen. 

Der Anfang des Filmes deutet auf Horror hin. Mutter am Steuer, videogamender Sohn daneben. Nicht allzu viel Licht. Die Frage, ob dies das Haus sei. Es stellt sich heraus, dass die beiden Schwestern länger kaum Kontakt gehabt haben und dass Kathy sie noch nie besucht hat. 

Nachbar Del (Brian Dennehy) guckt misstrauisch zu den Ankömmlingen rüber; miesiger Nachbar, so wie er im Buche steht,. 

Ahn schildert die Menschen anfänglich als verschlossen, misstrauisch und abweisend, es ist kein Bussi-Bussi-Amerika, kein umarmendes Amerika, das einem sofort die Freundschaft anbietet. 

Nachbar Del spricht bei einer Gelegenheit den Buben an. Mutter wird sofort misstrauisch, nicht weniger als beim Auftauchen der neugierigen Nachbarin Linda (Christine Ebersole). Am herzlichsten ist noch die Maklerin Charlene (Robyn Panye). 

So werden nach und nach ausgewählte Nachbarn, deren Kids eingeführt. Und Schritt für Schritt werden die Mauern eingerissen, findet Annäherung statt. Etwas vielleicht absehbar, etwas vielleicht für uns Europäer ein Tick zu sehr Süßholz raspelnd; nichtsdestotrotz schaut man gerne zu, weil auch die Performance hundertprozentig professionell und gesetzt ist, weil nichts Überflüssiges erzählt wird, weil jede Szene ihre Illustration zum humanen Thema beiträgt, so weit, dass der 9-jährige seinen Geburtstag in der Bingo-Halle spielen darf. 

Dass Cody und Del dickste Freunde werden ist eh klar. Wobei auch hier der Film noch einen Wermutstropfen bereithält. Das unterscheidet diesen Film deutlich vom durchschnittlichen deutschen Themenfilm, der mit der Nacherfindung eines uninteressanten Alltags allenfalls weisungsbegundene Fernsehredakteure zu begeistern vermag. Allerdings schwingt in diesem Independent-Segment durchaus auch die Haltung „Gewusst-Wie“ mit, die zu einer gewissen, leicht überhöhten Deutlichkeit tendiert. 

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