Lebenslinien: Der Oberpfälzer, der die Mauer platt machte (BR, Montag, 9. November 2020, 22.00 Uhr)

Unergiebig

Diese Lebenslinien von Elisabeth Mayer stehen unter der redaktionellen Verantwortung der Zwangsgebührentreuhänder Christian Baudissin und Fatima Abdollahyan. Es ist die berechtigte Frage eines jeden Bürgers, der in Deutschland lebt und für seinen Haushalt Rundfunkzwangsgebühr abführt, ob er für ein bestimmtes Rundfunkprodukt bereit wäre, die Gebühr zu bezahlen oder nicht. 

In diesem Fall mit dem Protagonisten Winfried Prem eher nicht. Das mag an der Wahl der Protagonisten liegen. Er ist zwar ein lustiger Mensch und Bauunternehmer, aber auch ein Lebemensch und Musiker und kann offenbar mit Geld nicht umgehen. 

Das einzige, was Prem von Millionen ähnlicher Mitbürger unterscheidet ist, dass er just zum Zeitpunkt des Mauerfalls ein Abrissunternehmen mit Spezialmaschinen hatte und dass er vorher schon naiverweise beim Bauministeriun der DDR vorgesprochen hatte, noch vor dem Fall der Mauer und dass er dann unter den 8 Unternehmen in der BRD, die über solche Maschienen verfügten, dasjenige war, das den Auftrag zum Mauerabriss bekommen hat. 

Solche Lebenslinien könnte man wohl eben so unergiebig über jeden Lottomillionär machen. 

Über die Schwächen des Filmes soll ein merkwürdiger Musikscore hinwegtäuschen, der an Zirkus denken lässt oder anVariété, will sagen, alles halb so schlimm.

Über die Mauer heißt es in dem voice-over gesprochenen Text, sie sei für den Westen ein Mahnmal, aber eben auch ein Kuriosum. Kuriosum? Haben wir richtig gehört? Was war an der Mauer ein Kuriosum? Der Todesstreifen? Dass Menschen zu Tode kamen, weil sie über die Mauer in das Gebiet demokratischer Freiheit hinübermachen wollten? Wer die Mauer als Kuriosum sieht, sollte vielleicht besser keinen Film für den zwangsfinanzierten öffentlichen-rechtlichen Rundfunk drüber machen, sondern erst mal die Geschichte studieren. Das wäre so, wie wenn heute behauptet würde, Corona sei ein Kuriosum der 20er Jahre unserer Jahrhunderts gewesen. 

Ständig versucht die Dokumentaristin im direkten Fragespiel dem Protagonisten oder dessen Frau oder Kindern irgend etwas von Belang aus der Nase zu ziehen, was aber durch die Fragestellung ins Leere greift. 

Falls aus dem Protagonisten, der sich für eine Legende hält, überhaupt Lebenslinien von Wichtigkeit und Interesse zu machen gewesen wäre, dann hätte die Dokumentation sicher ganz anders aufgezäumt werden müssen, so aber bleibt sie arglos, naiv, unergiebig, beliebig und geschichtsklitternd. 

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