Eine Frage der Haltung (DVD & VoD)

Bienen-Dialektik.

Felix und Miriam Remter haben einen spannenden Fachfilm zum Thema Bienenhaltung gemacht. Was heißt Fachfilm; nein, es ist auch ein Film fürs Auge durch die vielen Nahaufnahmen von Bienen und all dem, was die Menschen, die mit ihnen zu tun zu haben, dafür verwenden, vom Baumsteiggerät über das Räuchergerät hin zu mannigfachen Arten von Bienenkästen und ganze Labors und Pipetten und Mikroskope für die Behandlung von Bienen gegen die Varroa-Milbe. 

Dialektik: der Film sortiert sich in zwei ineinander geschnittene Stränge. In Schwarz-Weiß geht es um „Diskurs“. Hier sprechen Experten über Bienenhaltung – dass diese keineswegs mit Viehhaltung zu vergleichen sei -, über Bienenzucht und über den Kampf gegen die Milbe. Sie vertreten konträre Meinungen und als Gegenbeispiel wird die Zeidlerei erwähnt; zu diesem Thema wäre auf den wundervollen Spielfilm Land des Honigs hinzuweisen; was die Hauptfigur in diesem oscarnominierten Film macht, ist eine Art von Zeidlerei. Die ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit in der Bienenhaltung; den Bienen so viel Honig lassen, wie sie brauchen; sie auch in vorgegebenen Räumen, die Beispiele im Film zeigen hohe Baumstämme, ihre Waben selber bauen lassen. 

Besonders umstritten sind die Themen der Bienenzucht, an sich schon schwierig und bei der kommerziellen Imkerei der Schutz vor der Milbe. Die Anstrengungen dazu führen zu starken Labor- und Wabenbildern und was die Wissenschaftler damit machen bis hin zur Einpflanzung von Milben und minutiöser Kontrolle, ob das Bienenvolk sie bekämpft oder umgekehrt. 

Im Gegensatz zum Film More than Honey von Markus Imhof, der einen alarmierenden Befund über den Schwund der Bienen abgibt, widmet sich der Film der Remters der nüchternen Betrachtung mit illustrierenden „Kapiteln“ dazwischen, die in Farbe sind und vor Ort; da gibt es kühne Bilder, aber auch verblüffende Details oder einen verlangsamten Tanz wie in Trance eines Imkers in Rauchschwaden oder wenn über Mikroskope mit zwei Metallstiften Milben eingesetzt werden sollen oder wenn eine Königin behandelt und numeriert und ihr einTropfen eingeflößt wird. 

Der Film berichtet von verschiedenen Formen des Umgangs mit der Biene und am Ende dieser Dialektik gibt es eine neue These, eine Synthese, man könnte sie als diejenige des „betreuten Zeidelns“ bezeichnen; ein Schweizer hat nicht irgendwo in der Natur, sondern bei sich auf dem Hof die neue Synthese bereitet, den Bienen gefakte Verhältnisse wie in einem Felsspalt oder in einem Baum aus Plastik vorgegkauelt, wo sie ganz selbständig ihre Waben bauen. Der Initiator des Experiments wundert sich, dass obwohl er keine Antivirus-Behandlung gemacht habe, auch im zweiten Jahr noch keine Milbe zu sehen war. Er würde einzig, wenn nötig, etwas Zufütterung organisieren, wenn die Bienen nicht genügend selbst finden. 

Kontrovers: Demeter und Antobiotica-Behandlung; zählen Bienen zur Wildtier- oder zur Nutztierhaltung? 

Extrem, fast Horror: wenn die Bienen von Milben gereinigt werden sollen und in einer Art Mehl geschüttelt werden. Varroa, mit dem Angstpotential von Seuchen wie Rinderpest, Borkenkäfer oder Corona.

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