Wildherz

Wonnepfropfen Simone Hage aus Bayern ist immer noch unterwegs. Den ersten Teil ihrer Reise mit zwei Pferden und einem Hund aus Bayern in Richtung Ostsee war in Magie der Wildpferde zu erleben. 

Noch ist Simone nicht zurückgekehrt. Sie will weiter in Richtung Norden, nach Dänemark. Dort überwintert sie als Praktikantin auf einem Pferdehof und lernt dabei auch reiten. 

Sie ist jetzt 18 und diese neue Dokumentation von Caro Lobi begleitet die Pferdeabenteurerin bis in ihr 20. Lebensjahr, das ist 2020, hier wo Corona in unser aller Leben einbricht und am Ende des Filmes ist der Lockdown aufgehoben und Simone macht sich, diesmal nur mit einem Pferd, auf in Richtung Süden. 

Auch dieser zweite Film lebt von Simones Herzlichkeit, bringt traumhafte Natur- und Pferdebilder, Landschaft, Meer, Pferdehof und ihr unwiderstehliches Lachen. 

Aber es gibt auch Momente der Nachdenklicheit. Simone erweist sich als selbstreflexive Person, die weiß, was sie tut und auch weiß, wenn etwas vorbei ist und die vor allem eines will: lernen. 

Simone war früh in den Social Media als Bloggerin aktiv, sie machte sich sofort nach der Schule mit 16 selbstständig als Pferdefotografin. Aber sie fühlte sich noch zu jung, um sesshaft zu werden, sie hat sich klar gemacht, dass das Leben in den Tag hinein, das Aufbrechen, ohne zu wissen, wo anzukommen, das kann sie sich jetzt leisten und nicht irgendwann; dabei wird ihr aber auch bewusst, dass sie ihr ansteckendes Lachen für Social Media entwickelt hat, weil es dort erfolgreich war. 

Langzeitdokus können immer wieder mit Überraschungen aufwarten. Simones Erkenntnisse – und auch trübe Tag der Antriebslosigkeit – zeigen Wirkung; sie will die Rückkehr in ihre Heimat nicht mehr ausschließen; sie verändert ihr Verhältnis zum Heimatort, zu den Bergen. 

Trotzdem lockt über den Winter 19/20 Andalusien, ein Pferdehof, auch hier wieder traumhafte Bilder und auf der Tonspur häufig eine fette Dosis Glücksmusik. Portugal folgt. Dann, je mehr Simone sucht, meint sie, sie wolle doch ernsthafter etwas anpacken. Dabei driftet der Film in Richtung Schamanismus, moderne Medizinfrau, spirituelles Coaching, in die esoterische Richtung ab. Sie glaubt jetzt, gefunden zu haben.

Vielleicht sind die Filmemacher ja bereits dabei, sie weiter zu begleiten. Man kann gespannt sein. Dem Film voranggestellt ist das Wort von John Lennon: „Zahme Vögel singen von Freiheit, wilde Vögel fliegen“. 

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