Srbenka

Vom Gift des Vorurteils.

Vom Vorurteil zum Mobbing und vom Mobbing zum Mord, das ist der extremste Auswuchs des Hasses, das ist der Motor von Krieg. 

Darum geht es beispielhaft in dieser meditativ-essayistischen Dokumentation von Nebojsa Slijepcevic am Beispiel der Ermordung des serbischen Mädchens Aleksandra Zec in Kroatien während des Jugoslawien-Krieges. 

Der Theaterregisseur Oliver Frijic hat daraus ein Theaterstück gemacht, das er in Kroatien aufführte. Protest war ihm sicher. Wie kann man in Kroatien ein Stück machen über ein serbisches Opfer, dessen Mörder Kroaten waren? Was ist mit all den kroatischen Opfern im Jugoslawien-Krieg? Krieg der Opfer als Randschauplatz. 

Nobojs Slijepcevic begleitet die Herstellung des Stückes von den ersten Proben an. Es ist aber weniger eine Chronologie und Schritt-für-Schritt-Dokumentation. Slijepcevic lässt sich ein in den leitenden Gedanken, wie kann es sein, dass Menschen, bloß weil sie anderer Nationalität sind, diskriminiert werden? 

Auch die Schulmädchen, die in dem Stück mitmachen, ertappt der Regisseur bei Vorurteilen gegenüber den Roma. 

Der Regisseur fordert den ganzen Einsatz der Schauspieler in dem Sinne, dass sie ihr eigenes Verhältnis zu dem Thema einbringen, dass die schwierigste Aufgabe am Theater sei, ’normal‘ zu bleiben; auch wenn er als letzten Tipp vor der Aufführung vor allem den gibt: laut zu sein. 

Die Blicke ins Publikum während der Aufführung geben einen Rückschluss auf Qualität von Regie und Stück: die Menschen sind mucksmäuschenstill und gebannt. 

Kurz vor der Premiere wäre es noch fast zum Eklat gekommen, weil die Aufführung in kroatischen Medien skandalisiert worden ist, wie es möglich sei, genau dieses Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. 

Dem Regisseur selbst ist seine Jugend durch den Krieg verdorben worden; sein Vater war ein nationalistischer Krieger. Für die heutige Generation ist es wie ein Rätsel, wie es sein konnte, dass im Jugoslawien unter Tito es offenbar überhaupt keine Rolle gespielt habe, ob einer Muslim, Christ, Roma, Serbe oder Kroate sei. Es ist die Frage, wie nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens der Nationalismus plötzlich so heftig zu wüten anfing. Und zur Ruhe gekommen ist er noch nicht, wie die Reaktionen auf die Theateraufführung zeigen. 

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