Schlaf

Soziale Skulptur

„Film ist in meinen Augen eine soziale Skulptur, die sich unaufhörlich verzweigt.“ Diesen Satz hat Regisseur Michael Venus, der mit Thomas Friedrich auch das Drebhbuch geschrieben hat, im Abspann eingesetzt, um all jenen zu danken, die im Hintergrund mitgewirkt haben, ohne namentlich erwähnt worden zu sein – die aus dem Dunkeln. 

Das Bild von der verzweigten sozialen (resp. asozialen) Skulptur passt auch ganz gut auf seinen Debutfilm, der mächtig ins Horrorgenre reinschnuppert, der Kräfte aus dem Dunkeln zur Wirksamkeit bringt. 

Marlene (Sandra Hüller) ist Flugbegleiterin und leidet unter Schlafstörungen. Ihre Tochter Mona (Gro Swantje Kohlhof) kümmert sich um sie. 

Eigentlich möchte Marlene sich auf den nächsten Flug vorbereiten. Es geht ihr aber nicht so gut. Ärzte sind involviert. Dann verschwindet Marlene. Sie findet zum Horror-Hotel, wie es im Büchlein steht. Lore (Marion Kracht) und Otto (August Schmölzer) führen es. Auch dieses Paar ist mit nicht sofort erkennbaren, eher dunklen Eigenschaften behaftet. Lore fesselt ihren Ehemann nachts an Hand- und Fußgelenken ans Bett. In diesem Haus checkt Marlene ein. Das ist kein Zufall. 

Marlene kennt das Hotel aus ihren Angstträumen und auch aus einer Broschüre, die in den Flugzeugen vor sich hinwerben. Jetzt musste sie es nur realiter noch finden. 

Im Hotel bricht mehr aus Marlene heraus, als die Schulpsychologie annehmen würde; es kommt zur Begegnung mit einem mächtigen Keiler, der plötzlich im Zimmer steht; sie selbst, das kann sich der Zuschauer im Nachhinein zusammenreimen, entwickelt entsprechende Gegenkräfte und verwüstet das Zimmer. Sie landet in einer Klinik. 

Detektivisch findet die Tochter heraus, wo die Mutter sich aufhält, fährt zum Hotel Sonnenhof in Steinbach. Die soziale, resp. Horrorskulptur entwickelt sich, verzweigt sich, erwischt – wie Corona – mehr und mehr Menschen und es wird schwieriger, noch den Überblick zu behalten, auch dabei, wo das Animalische sich in den Menschen bemerkbar macht und wo sie noch Menschen sind. 

Skulpturhaft sind auch die stilisierten und wohlgesetzten Dialoge, die Darsteller-Arrangements, Mittel, die bestens dem Horroreffekt zudienen. Im Menschen stecken Dinge, von denen er oft selbst keine Ahnung hat; das erzählt dieser Debutfilm. 

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