Ruben Brandt – The Collector

Kunst und gespaltene Persönlichkeit

Ein Psychodoktor für Künstlerseelen ist „der Sammler“, er heißt Ruben Brandt, logiert in einem luxuriösen Anwesen in einer idyllischen Berglandschaft wie in der Schweiz. Er veranstaltet mit seinen Klienten am Lagerfeuer Rollenstudium. Es ist eine Kleingruppe, die vorbereitet wird auf die Kunstraubzüge, die sie für Ruben Brandt rasant, schlau, verrückt, artistisch, raffiniert in aller Welt in den feinsten Museen durchführen werden. 

Objekte der Begierde von Ruben Brandt sind nur bekannteste Kunstwerke der abendländischen Kunstgeschichte, unverkäuflich; sie hängen in den berühmtesten und gesichertesten Museen und Galerien. 

Protagonistin unter Brandts Klienten ist Mimi, eine katzenartige Artistin mit Zirkushintergrund und also enorm beweglich und von einer Vampnonchalence dazu. Sie hängt jeden Verfolger ab. Das zeigen wilde Verfolgungsjagden, bei denen sich die Animation von Milorad Krstic so einiges einfallen lässt oder bekannte Motive humorvoll variiert. 

Der Background des Psychodoktors ist Deutschland, Krieg und auch kalter Krieg haben ihre Finger in seiner Geschichte. Die Kunstwerke, auf die Brandt manisch versessen ist, quälen ihn in seinen Alpträumen, deshalb muss er sie haben. Es ist Manie. Manie und Kunst, Manie und Kunstsammlertum

Der Verfolger im Krimi ist der Privatdetektiv Kowalski. Wie aber das Lösegeld auf 50 und auf 100 Millionen erhöht wird, ärgert sich sogar die Mafia, wie einfach da an Geld zu kommen sei und spannt mit der Russenmafia zusammen. 

Das ist das Grundgerüst für einen enormen Leinwandspaß, der einerseits die Kunst sicher verehrt, sie aber auch durch den Kako zieht, sie verfremdet, sie nicht schont, sie zum Objekt unterschiedlicher Interessen macht und auch einen köstlichen Seitenblick auf die Filmgeschichte wirft. Das waren noch Zeiten, als ein Hamster im Rad die Filmrollen zum Laufen brachte. 

Es sind die Details, die das Leinwandwerk würzen. Ob es ein genau beobachtetes Insekt ist, das dem Protagonisten während eines Telefonates Blut aus den Adern saugt, ohne dass dieser sonderlich reagiert, oder Mimi, die im Heißuftbalon nach rasanter Auto-Verfolgungsjagd über idyllischer Landschaft schwebend mit dem Shrink telefoniert. 

Die Kunstwerke selbst werden in den Träumen lebendig, Figuren treten aus ihnen heraus oder es fliegt gar ein Schuh raus oder eine Katze spaziert einfach weg aus dem Bild. Der Film spielt im Heute. Die Darsteller sind mit den modernsten Überwachungs- und Kommunikationsmitteln ausgestattet. Die Originalvertonung auf Englisch ist bestens verständlich und attraktiver als die deutsche, der der gewisse Pfiff abgeht. 

Der Film ist Unterhaltung in vollendeter Vorcorona-Sorglosigkeit, aus corona-unbeschwerter Zeit. 

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