Kajillionaire

Shabby Cinema

Alles ist schäbig im Kino von Miranda July, auch das Kino kommt im trostlosen Schäbig-Look daher: vor allem Garagen, Kreuzungen, gesichtslos, freudlos, in drögester TV-Manier, keine Kamerafantasie, keine Kamerafreude, so wenig Aufwand für die Kamera wie möglich, keine reizenden Lichter setzen, die Kamera hinstellen, so dass die generell zwei oder drei Figuren oder später auch vier im Bild Platz haben, so halbnah wie möglich, das wars. 

Und schäbig bis schlabbrig sind sie gekleidet, die drei Hauptfiguren, nur ja keine Reize zeigen, Töchterchen Old Dollo (Evan Rachel Wood), durfte nicht sofort nach der Geburt der Mama zur Brust kriechen und das die Eltern nie herzen oder Schatz oder Liebling nennen (ein Auswuchs der 68-er antiautoritären Erziehung), schon die Steckenhaare und die entsprechende Mine zeigen den Rakidalverzicht auf Sinnlichkeit, Mama Theresa (Debra Winger) gerade keine Mutter Theresa und Papa (Robert Jenkins), der die kleine gesellschaftliche Außenseiter- und Diebesbande im eisernen Griff hat. 

Und schäbig wohnen sie in einem Abstellraum für Büromöbel, der Teil einer Fabrik ist. Einmal täglich dringt Schaum, der aussieht wie Zuckerwatte, durch die Ritzen einer Wand und die Familie muss diesen mit Eimern entsorgen, ein Pflichttermin im Mietverhältnis. 

Mietschulden haben sie obendrein. Um aber dem Vermieter zu entgehen, müssen sie akrobatische Übungen an einer Wand vorbeimachen auf dem Weg zu ihrer Wohnung. 

Eine Einkommensquelle dieser Shabby-Familiy ist sehr detailliert geschildert. Old Dollo ist dafür zuständig, das Postfach, das sie offenbar gemietet haben, aufzusuchen. Dafür sind wieder elastische Körperbewegungen nötig, um unter den Überwachungskameras hindurchzukommen (nur ja keine Brillanz bei solchen Übungen). Nach dem Öffnen des Faches wirft die Täterin einen Blick in den Verteilraum und wenn die Zuständige gerade nicht hinschaut, gibt es den Griff durch das Postfach und das Ertasten von Post in den benachbarten Fächern. 

Im Film wird eine kitzlige, übergroße Ausbeute gezeigt, ein langes, dickes, gelbes Couvert. Der Inhalt ist medioker, unter anderem eine Krawatte und besonders wertvoll ist sie nicht. Auch der Rest reicht nie und nimmer, um die über 1500 Dollar Mietschulden aufzubringen. Da müssen andere Geldquellen her. 

Versuche an Geld zu gelangen füllen den Rest des Filmes, immer skurril, immer sehr erfunden. Eine junge Frau, Melanie (Gina Rodriguez), ursprünglich Opfer, bleibt bei der Familie hängen. Sie ist die sinnliche Gegenthese gegen die Schäbigkeit, macht aber mit. Einmal ist das Opfer ein Sterbender, auch das bringt einen Hauch Leben in die Schäbigkeit. Beim Nacherzählen fällt auf, dass sich das sicher ganz abgefahren, satirisch, skurril anhört, macht auch Spaß, die Beschreibung; aber beim Schauen selber kam mir der Film zu kopfig, überdeutlich und viel zu wenig sinnlich vor, kam mir vor wie ein vertrockneter Früchtekuchen. Sehr gut gemacht, sehr gut gedacht, sehr akademisch, aber zu lebensfeindlich, zu verkopft auf die Leinwand gebracht, eine vertrocknete Gaunerkomödie, in der die Protagonisten verkorkst die Liebe suchen. 

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