Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes

Großes Erzählkino.

Was ist Erzählkino? Das ist ein Kino, salopp formuiert, was seine Geschichte gut verdaulich bis kulinarisch zubereitet, diese auch klar und ohne komplizierte Ebenen vor dem Zuschauer ausbreitet, ohne ihn schockieren, aufregen oder langweilen zu wollen, den Zuschauer in die Welt dieser Geschichte entführen, mit vielleicht gelindertem Schmerz und auch ohne Euphorie (höchstens über die Kunst der Erzhählung), jedoch die Sache, den Inhalt nicht schmälernd und generell sich auf eine Hauptfigur konzentrierend. Wobei es keine Rolle spielt, ob die Geschichte eine wahre Geschichte ist oder die Geschichte aus einem Roman oder Märchen. 

All diese Kriterien erfüllt Nikluas Hilber, der mit David Clemens und Patrick Tönz auch das Drehbuch geschrieben hat, in seinem fiktionalen Film über den Schweizer Umweltaktivisten Bruno Manser und füllt damit spielend zweieinhalb Stunden im Urwald von Malaysia mit Zwischenspielen in der Schweiz und in New York und erinnert den Zuschauer daran, zu welchem Preis wir uns Tropenhölzer oder Palmöl leisten, zum Preis der Vernichtung der indigenen Völker. 

Dagegen hat der Schweizer Bruno Manser sich aufgebäumt. Diese seine Geschichte wird hier im Film erzählt. Sie macht insofern auch Hoffnung, dass, auch wenn es dauert in der harten Realität, der Kampf nicht ganz umsonst war. 

Die Besetzung der Rolle von Bruno Manser mit Sven Schelker erweist sich als Glücksfall von hoher Authentizität. Von den ersten Bildern an, zu denen die Figur voice-over beschrieben wird als ein Mensch, der äußerlich ein Mann, innerlich aber noch ein Kind sei, überzeugt Schelker mit seiner Brille und seinen glatten halblangen Haaren, diese Offenheit im Blick, die nicht unkritisch dafür mehr neugierig ist. 

Manser ist eben aus der Schweiz in Malaysia angekommen und will hier ein Stück Dschungel auf eigene Faust entdecken. Intuition. Er entdeckt das Volk der Penan. Und bleibt bei ihnen. Nach drei Jahren spricht er deren Sprache und ist einer der ihren. Er denkt nicht an eine Rückkehr in die Schweiz.

Doch die Holzfäller rücken den Penan auf die Pelle, vernichten ihren Lebensraum. Manser übernimmt die Führung im passiven Widerstand. Bis ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird. 

Über Mansers Kampf gibt es bereits den Dokumentarfilm „Bruno Manser – Kampf um den Regenwald“ von Christoph Kühn. Im Vergleich zu diesem wird deutlich, welche Abweichungen von der Realität sich ein Spielfilm erlauben kann. Die Penan sind hier alle bekleidet, auch sehr uniform, sehr fundushaft. Aber das stört überhaupt nicht, weil ja nicht vorgegaukelt wird, es handle sich um Realitätstreue. Auch den Schlangenbiss und die Folgen habe ich aus der Dokumentation deutlich brutaler in Erinnerung. Aber auch hier stört mich die fiktionale Abmilderung wenig, geht es doch darum, mit der Geschichte ein Stück Bewusstsein über die Grundlagen unseres Reichtumes und unseres Luxus‘ zu schaffen. Das gelingt diesem Film von Niklaus Hilber hervorragend.

Erzählkino: die Message kommt sanft, wie bei einer craniosakralen Massage daher und nicht mit dem Regenwaldabholzhammer. 

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