Ema

Bürgerliche Libertinage

Gerne spielt in lateinamerikanischen Filmen das Verhältnis von Arm zu Reich, von Herrschaft zu Dienerschaft eine Rolle. 

Hier im Film von Pablo Larrain (No, Neruda, El Club), der mit Guillermo Calderón und Alejandro Moreno auch das Drehbuch geschrieben hat, geht es, wenn ich das richtig sehe, ausschließich um eine Problematik innerhalb der bürgerlichen Klasse samit ihren Defiziten. 

Ema (Mariana Di Girolamo) rebelliert gegen das zuhause erlittene Unrecht mit poppigem Aussehen (plattgedrückte, strohweiße Haare), mit Tanz (Reggaeton), sexueller Libertinage und Feuerzündeleien. Statt selbst ein Kind auszutragen, adoptiert sie mit ihrem Freund und Choreographen Gaston (Gael Garcia Bernal) den Buben Polo (Cristián Suárez), eine Protestadoption. 

Eines Tages, wie das Kind nicht mehr in ihr Leben passt, wird der Bub wieder seinen Eltern zurückgegeben. In diesem Themenbereich funkt die Fürsorge in den Film hinein, der einer akademische Auseinandersetzung gleich zu den Themen Kunst/Freiheit/sexuelle Freiheit gegen die bürgerlich katholische Moral in Stellung gebracht wird (für diese steht das Thema Schuld) und weniger wie eine stringente Geschichte daherkommt. 

Der Film ist Diskurs statt Narrativ. Das führt dazu, dass die faszinierende Eigenwilligkeit des Aufmerksamkeit erregenden Anfangs mit der brennenden Ampel sich mehr und mehr als Prinzip um seiner selbst Willen entpuppt auf Kosten einer narrativen Themenentwicklung und somit an Elan verliert. 

Die Symboliken von Feuer gegen die menschenwuselnden Tänzermassen in den Choreographien sind kräftig und soghaft, libertinärer geht nicht, wenn nicht gerade diese Bilder das Libertinäre gar in seinen Schranken weisen. 

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