Lebenslinien: Der Dackel-Seppi von Passau (BR, Montag, 19. Oktober 2020, 22.00 Uhr)

Treuherzig allerliebst

sind Dackelblicke, aber solche Herz-Schmerz-Dudel-Sauce, wie Evelyn Schels sie hier auftischt, haben sie nicht verdient und wirken deplaziert bei den Lebenslinien. Das entspricht nicht dem Niveau, das man von einer Sendung dieses Namens im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erwarten dürfte. 

Nichts gegen den Protagonisten, der Dackel-Seppi vormals der Blumen-Seppi, ist ein spannender Mensch, originell und initiativ dazu, der hat es zu was gebracht. Und das ging nicht ohne Rückschläge, ohne Schicksalsschläge. 

Muss man das aber alles so erzählen, als würde man einen Film für das Staatsfernsehen der DDR machen? Dass ja keine gesellschatlichen Schwachpunkte angesprochen werden, dass ja keine schlafenden Hunde geweckt werden? Muss das alles so eine niedliche PR-Sauce für einen Geschäftsmann werden? 

Allmählich entwickelt sich bei stefe ein Bild von der Dokumentaristin Evelyn Schels. Sie hat sich untertänigst an Baselitz angewanzt, sie hat von Marianne Koch in den Lebenslinien genau die Dinge ausgepackt, die die Protagonistin schon so oft runtergespult hat und eigentlich nicht wiederholen mochte, sie hat für die Krone-Erbin einen reinen PR-Film statt Lebenslinien gemacht und mit dem Kinofilm Body of Truth hat sie unkritisch vier Performerinnen auf einen Sockel gehoben. 

Nein, solche Beiträge dienen nicht der Profilierung weder der Sendung noch des Senders. Und dann wird auch noch unpräzise gearbeitet; in dem Augenblick, in dem der Protagonist vor einem Blumengeschäft im Rathaus München steht, nennt die Sprecherinnenstimme seine Unterkunft in München und man wundert sich, ob das Münchner Rathaus ein Lehrlingsheim beherberge. 

Redaktionell verpennt (oder auch: verpeilt) hat den Film Christiane von Hahn. 

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