Making Montgomery Clift

Zum 100.sten Geburtstag.

Der Hollywood-Schauspieler Montgomery Clift (1920 – 1966) hatte einen älteren Bruder, dessen jüngster Sohn Robert sich das umfangreiche Archiv vorgenommen und darin gewühlt hat, um diese Dokumentation, in der es über das Dokumentieren des Stars geht, zusammenzustellen. 

In der Familie Clift scheint es eine Sammelwut zu geben und aus diesem Grunde existieren enorme Archive von Tonbändern, Videoaufnahmen, alles, alles wurde gesammelt vom Vater von Robert, der im Krieg beim Geheimdienst gewesen sein soll. 

Und auch Montogmery selber hat offenbar jede Menge Telefongespräche ohne Wissen der anderen aufgenommen auf schönen alten Tonbbandgeräten, von denen der Filmemacher sie auch abspielt und dazu Bildarchivmaterial montiert. Ihm geht es darum, das Bild seines Onkels, das manche Biographien sensationsheischend erstellten, zu korrigieren. 

In diesem Zusammenhang kommt im Gespräch mit einer Bigraphin klar heraus, dass bei Biographien der Kassenerfolg größer werde, je krawalliger sie sind. Clift habe etwas Selbstzerstörerisches gehabt, wurde also kolportiert, das durch seine Homosexualität, die ja verboten war, Nahrung erhalten habe; er sei an den seelische Qualen zugrunde gegangen, die dieses Versteckspiel ausgelöst hätten. 

Dem hält Neffe Robert entgegen, dass sein Onkel mit seinem unbändigen Freiheitsdrang („I’d rather be free than famous“), das gar nicht nötig gehabt habe, auch nicht, irgend einem Studio und dessen PR zuliebe eine Scheinehe einzugehen, wobei er sowieso bisexuell veranlagt gewesen sei.

Montgomery Clifts Freiheitsdrang, das stellt der Film deutlich heraus, hat ihn dazu geführt, Rollen abzulehnen, nach denen andere Stars die Finger leckten, dass er jahrelang nur Theater gespielt habe, dass er die Hauptrolle, die er für das „Urteil von Nürnberg“ von Stanley Kramer angeboten bekommen habe, als lngweilig abgelehnt, sich dafür für die viel kleinere Rolle des Rudoph Petersen interessiert und diese auch noch ohne Gage gespielt habe. Ein radikaler Künstler, dem Starruhm egal war, der spannende Rollen spielen wollte. 

Der Film wirft einen höchst ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen des Hollywood-Betriebes, gerade auch, wie er an Starlegenden strickt, dreht und wendet. Wobei Clift an einem Alkoholproblem litt, egal wie das zustande gekommen sein mag, immer mehr Mühe hatte, Text zu lernen; ein Zerfallserscheinung. Während er am Anfang vor allem ein lustiger, unterhaltsamer junger Mann gewesen sei, der Spaß am Spaß und auch an Albernheit hatte, wie Videoaufnahmen zeigen; er war mit der Gabe einer seltenen Leinwandschönheit beschenkt und sich derer auch bewusst, wenn es um das Verhandeln ging, um die Verteidigung seiner Freiheit. 

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