Von Liebe und Krieg – A War within

Kriegsdrama. Eifersuchtsdrama. Minderheitendrama. Deserteursdrama. Familiendrama. Unüberhör- und unübersehbar schwingt im Erzählstil dieses Films von Kasper Torsting, der mit Ronnie Fridthjof auch das Drehbuch geschrieben hat, nordisches Seelendrama mit. 

Der konfliktreiche Kollateralschaden von Krieg ist oft derselbe: die Männer sind an der Front. Kein Mensch weiß wann, wie und ob sie überhaupt zurückkehren. Die Frauen sind zuhause. Sie sind liebessehnsüchtig (während die Männer vielleicht an der Front Frauen vergewaltigen). Und irgendwelche Männer, Soldaten, tummeln sich in der Heimat und haben auch ihre Bedürfnisse. Kinder wachsen auf und wissen nicht wie ihre Väter aussehen. 

Der Krieg führt zu unendlichen Familiendramen. Hier ist es zudem ein Minderheitendrama insofern, als der Film bei der dänischen Minderheit im Norden von Schleswig Holstein spielt gegen Ende des Ersten Weltkrieges. 

30′ 000 dänische Männer waren für die Deutschen an die Front beordert worden; denn 1864 sind große Teile Süddänemarks dem späteren deutschen Kaiserreich zugeschlagen worden. 

In der Nähe von Sonderborg auf einer Insel lebt Esben (Sebastina Jessen) mit seiner Frau Marie (Natalie Madueno) und einem kleinen Buben. Esben wird an die Front nach Frankreich geschickt. 

In Sonderborg befiehlt deutsches Militär. Gerhard (Tom Wlaschiha) hilft in der Mühle von Esben aus; wird zur väterlichen Figur für den Buben; Gerhard ist Pilot. Wie Esben wegen Kriegsverletzung und hochdekoriert (beides ein Schwindel, wie der Zuschauer bereits weiß) zurückkehrt, entsteht Misstrauen, der Bub erkennt den Vater nicht, spricht aber auf Gerhard an. Entfremdung. 

Ähnlich sieht es mit dem von Esben geretteten Kameraden Hansen (Thure Lindhardt) aus; er ist allerdings nach seiner Verletzung nicht mehr fortpflanzungsfähig. Seiner Frau Kristine (Rosalinde Mynster) macht der Deutsche Müller (Ulrich Thomsen) den Hof. 

Statt Frieden finden die Rückkehrer Konfliktpotential und Misstrauen vor. Regisseur und Autor Kasper Torsting entwickelt die Dramatik konsequent mit immer neuen Dilemmen, wer steht zu wem, wer verrät wen, wem ist zu trauen; so dass die kinotypischen Weltkriegsausstattungsdetails weiter nicht stören, weil das menschliche Drama im Mittelpunkt steht. 

Eine Art dramatischer Handgranate wirft Gerhard, indem er in die Wege leitet, dass sein „Rivale“ Esben wieder an die Front geschickt werden soll. Das will Esben sich nicht bieten lassen. Er wird zum Deserteur, hochdramatische Entwicklung. Bis er in einem tragischen Akt, der auch Hoffnung lässt, selbst zum tragischen Helden wird. 

Im Abspann sind Originafotos zu sehen von den Menschen und Häusern, die den Stoff für diese Geschichte geliefert haben. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.