Sag du es mir

Skeptische Realitätsbetrachtung

Was ist Wahrheit? Was ist die Wahrheit einer Geschichte, einer Person? 

Es ist eine Frage der Perspektive und auch der Information. So zumindest stellt es Michael Fetter Nathansky in seinem Film von der Filmuniversität Babelsberg dar. 

Es beginnt mit einem Bilderrätsel, einem Ratebild. Der zentrale Ort des Geschehens ist als feststehendes Bild lange mit bewegungsloser Kamera eingefangen. Dem Zuschauer bleibt es überlassen, zu erraten, worauf es bei den wenigen und minimalen, sichtbaren Bewegungen ankommt. 

Ein Gruppe aus Wohnhochhäusern stehen im mittleren Hintergrund an einem See, davor einige Schiffe, vorne, zentral im Vordergrund eine Eisenbahnbrücke mit angehängtem Fußgängersteg. Das einzige, was Bewegungsreize für das Zuzschauerauge aussendet, sind zum einen Autos, die gelegentlich hinter Bäumen und zwischen den Hochhäusern durchfahren, zum anderen ganz im Vordergrund mit nur geringsten Bewegungen die Segelstangen von zu vermutenden Schiffen tief unter der Kameraposition. Das steht so lange, bis eine Person mit hellem Hemd oder heller Bluse von links über die Brücke geht, in der Mitte stehen bleibt, von dort ins Wasser guckt. Dann kommt von rechts eine andere Figur, passiert die Guckende und bevor man es sich versieht, fällt die Guckende ins Wasser. 

Das ist der Prolog zu einer Nahbesichtigung der drei Hauptfiguren, die je der Titel eines der drei Kapitel sind: Monika (Gisa Flake), René (Marc Ben Puch) und Silke (Christina Große). 

Die drei stehen in einem ausgeklügelten Dispositiv zu einander in einem Verhältnis und werden je von verschiedenen Positionen aus filmisch betrachtet, was jedes Mal die Wahrheit von vorher in ein neues, komplexeres Licht rückt. 

Als ablenkende Randhandlung wird in diesem Gebiet ein vermisstes Mädchen gesucht. 

Silke wohnt in einem der Hochhäuser und sie ist es, die von der Brücke geschubst wird. Deshalb trägt sie, wie ihre Schwester Monika aus Mallorca zu Besuch kommt, eine Halskrause. Sie hat den Brückensturz überlebt. 

Der Film versucht, glaubwürdige Menschennähe zu skizzieren, so wird auch das Unangenehme einer Halskrause besprochen, dies nur als ein Beispiel. René wohnt in einem der Hochhäuser mit Blick auf die Wohnung von Silke. Er ist ein Arbeitskollege von Silke und macht sie offenbar für den Selbstmord seines Bruders verantwortlich. Dafür sprechen mehrere Indidzien und das scheint der Anlass für die Brückenschubserei gewesen zu sein, so dass Monika, die bei ihrer Mutter auf Mallorca in der Hotellerie arbeitet, die Schwester besucht. 

Renée arbeitet bei der Polizei und Silke auf einem Schiffschleusenwerk, dessen Konstruktion momentweise symbolhaft ins Bild kommt. Gemeinse Bekannte von allen Dreien heiraten, was den Rätselfilm am Ende doch noch zu einem Hochzeitsfilm verändern lässt, wie als Belohnung für diejenigen, die sich auf den Ratespaß und die Rateüberraschungen eingelassen haben. Und, um Gesprächsfäden zu knüpfen, gibt’s es noch den Interviewer Marcel (Dennis Kamitz), der beinah zum weiteren Mitspieler wird. „Wenn wir’s gut machen, vielleicht glauben wir’s dann“. 

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