I Am Greta

Greta im Wunderland.

Ein modernes Märchen. Dazu braucht es ein pubertierendes Mädchen (besonders magieaffin), 16 Jahre alt, Schwedin, lebend in Stockholm, aufgewachsen bei intellektuellen Eltern, spricht bereits hervorragend Englisch – sonst versteht keiner das globale Märchen – etwas Asperger, das Mädchen vertieft sich mit diesem konzentrierten Fokus in die weltweite Klimakatastrophe und hat damit ihr Thema gefunden, von dem sie nicht so schnell ablassen wird; das sind elementare Voraussetzungen für das Märchen, das hier aus rein dokumentarischem Material von Nathan Grossman zusammengestellt wird. 

Mir scheint, die ersten Szenen, wie das Märchen beginnt, dürften nachgestellt sein. Es wäre ein Widerspruch zur Asperger-Eigenschaft, wenn sie das schon gezielt hätte filmen lassen. Eines Tages beschließt das Mädchen, statt zur Schule zu gehen für die Klimarettung vor dem schwedischen Parlament zu protestieren. Es gesellen sich andere Leute zu ihr. Daraus wird die Lawine der weltweiten „Fridays for Future“-Bewegung, die Schulstreiks, die Klimabewegung. Und mittendrin als deren Ikone das Asperger-Mädchen aus Schweden, das an ihrer Erkenntnis festhält. 

Wie es zu diesem Märchen in der Wunderwelt von Medien und Politzirkus kam, das kann sie sich selber nicht erklären. Der Zuschauer kann es auch nicht und der Film ebensowenig – wie und wer an welchen Hebeln dazu beigetragen hat. Er kann nur zeigen, wie das kleine Mädchen aus Schweden mit dem Asperger und der Verbissenheit auf dem Thema Klima plötzlich an die Höfe der Macht geführt wird. 

Wenn man an das Anfangsbild vor dem schwedischen Parlament denkt, wo sie erst mutterseelenallein protestiert, so ist es eine Aschenputtel-Geschichte. Die Prunkhöfe von russischer und französischer Politik, die Heiligen Hallen von Welt- und Europapolitik in New York und in Brüssel. Ein Papst, der sie persönlich begrüsst. Er kann da nicht ahnen, dass Greta sich Tage später in Stockholm kaputtlachen wird über das Video von dieser Begegnung. 

Enttäuscht durschaut die junge Ikone den Medien- und Polit-Zirkus und stellt fest, wie sie zur Medienpuppe geworden ist und jeder sich mit ihr schmücken will. Alle finden es toll, was sie macht. Jeder Politstar will sich brüsten mit ihr. Aber, das enttäuschende Fazit: ändern tun sie nichts („how dare you!“ wirft sie vor der UN-Vollversammlung der globalen Politprominenz an den Kopf).

Vielleicht ist das das ernüchternde Ende des Märchens (oder der Beginn eines Geschäftsmodells, siehe weiter unten?). Ein Mensch entwickelt sich in diesem Alter schnell, sie reift zur jungen Frau heran, die Medien- und Politheldin, sie tanzt allein für sich, sie träumt von bürgerlicher Vita mit Studium, Heirat und Kindern. 

Nichts erzählt der Film darüber, wie weit von außen diesem Märchen nachgeholfen wurde, wie weit der Name Greta Thunberg von cleverem Geschäftssinn zum Branding, zum Markennamen gemacht wird. Im Internet werden unter diesem Namen nebst Shirts sogar Mund-Nasen-Masken angeboten; ob der Film selber als dieses Märchen Teil der Branding-Kampagne ist? 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.