Der Bär in mir

Sanftmut

zeichnet den Biologen und Bärenbeobachter David Bittner aus. Wenn die Menschheit sich so rücksichtsvoll und non-aggressiv gegen die Natur verhalten würde, dürfte es die Themen Klimaerwärmung und Zerstörung des Planeten kaum geben. 

Als Kind schon war Bittner von den Bären im Bärengraben zu Bern fasziniert; ja, der Teddy des Buben zum Einschlafen wurde filmisch festgehalten, das belegen Super-8-Ausschnitte, die Roman Droux sparsam aus biographischem Footage von Bittner eingefügt hat. 

Roman Droux hat Bittner zu einer dreimonatigen Expedition ins westliche Alaska zu Beobachtung der wilden Grizzlys begleitet und selbst diese achtsame Haltung von Bittner übernommen. 

Der erste Eingriff in diese von Menschen unberührte und auch nicht wegbar gemachte Natur ist der Flug mit dem Helkopter in das sanfte Hochtal zwischen Bergen und mit großen Bärenweideflächen um einen Lachsfluss. Ein filmtraumhaftes Setting. Aber der Flug wäre ohne die planetenzerstörerische Industrialisierung kaum denkbar.

Der zweite Eingriff der beiden Männer, die beide filmen und fotografieren, ist die Absteckung von einigen Quadratmetern Land und Einzäunung mit Elektrozaun, Platz für zwei Zelte, der schönste Zeltplatz der Welt, wie Bittner an einer Stelle begeistert ausruft. 

Noch schöner ist nur noch die Bärenhöhle etwas höher oben, am unteren Rand des Gesteins des Berges; und sich da reinzulegen, wie die noch warm ist, eine größere Wonne kann sich der Biologe nicht ausdenken. Der Ausblick ist sensationell. 

Seit Jahren schon kommt Bittner hierher; insgesamt dürfte er über zwei Jahre seines Lebens hier in der Einsamkeit mit den Bären verbracht haben. Grundprinzip ist, sich nicht den Tieren nähern, sie müssen es von sich aus tun und es gibt eine Distanz, die darf nicht überschritten werden, auch wenn die Versuchung groß ist, den Bären zu berühren. 

Das Größte für Bittner ist, wenn ein Bär sich wenige Meter von ihm niederlässt. Viele von den Bären kennt er seit Jahren und persönlich. Er verhält sich wie ein Bärenflüsterer: „Hello, it’s ok“, sagt er mit beschwörerischer Stimme. Sie haben sich an ihn gewöhnt, die Erfahrung mit dem Elektrozaun müssen sie machen und wenn Jungtiere zu keck werden, kann auch mal ein befehlerischer Ausruf hilfreich sein. 

Über allem aber schwebt das Schicksal eines früheren Bärenforschers; eines Tages hat ein Bär ihn erledigt. Das Risiko bestehe immer. Es kommt zu gefährlichen Situationen, wenn große, ausgewachsene Bären sich dem Dokumentarfilmer Roman Droux nähern und er die Devise befolgt, ruhig zu bleiben. 

Mit Nachtsichtgeräten versuchen die beiden herauszufinden, was die Bären nachts treiben. Da ist in der milden Aue tatsächlich der Bär los. Ein gigantischer Bär sei da auf Bittner losgekommen, so dass der sich für den Rückzug ins Camp entschlossen hat. 

Während die Bären auf die Lachse warten, die flussauwärts zum Laichen schwimmen, gibt es einen Blick aufs Meer, auf die gigantischen Fischfangflotten. Und oben warten die hungrigen Bären auf ihr Lieblingsnahrungsmittel. Sie brauchen Reserven für den nächsten Winter. Da kann es zu heftigen Kämpfen kommen. Spuren eines solchen Kampfes findet Bittner eines Tages im Sand. Unter einem Sandhügel begraben liegt ein getöteter Bär, vermutlich ein Nahrungsdepot. 

Aber auch der Begriff vom anderen Ufer kommt vor, an das sich einer der Bären begibt, um dort mit einem anderen Bären liebevolle Zärtlichkeiten und mehr auszutauschen. 

Die Natur ist hart. Bittner verkneift es sich, einzugreifen, so sehr es gegen das Mitleid geht, zuzuschauen, wie das schwächste von drei Bärenjungen es nicht schaffen wird. 

Der Film unterscheidet sich von modischen, technikaffinen Tierfilmen, die mit sensationellen Fotostrecken auftrumpfen. Hier schwingt immer der Respekt vor der Natur und auch das Nebeneinander von Mensch und Natur mit. Das berührt mehr, als jede noch so extravagante Zeitlupenaufnahme von einem Kolibri oder noch so x-fache Vergrößerung eines Insektes. 

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