Milla meets Moses – Babyteeth

Wimmelbild einer australischen Akademikerfamilie.

Ein Bungalow-Film, der zu guten Teilen im eleganten Bungalow des Psychiaters Henry (Ben Mendelsohn) und seiner Frau Anna (Essie Davis) spielt. 

Das Paar lernen wir bei ihrem „Dienstagstermin“ kennen – so lautet einer der Zwischentitel, die auf den Wimmelbildcharakter des Filmes hindeuten. Sie liegt auf der hocheleganten Couch. Die Sitzung ist gerade vorbei und jetzt sind die beiden liebesbereit. 

Tochter des Paares ist Milla (Eliza Scanlen); die haben wir bereits auf dem Bahnsteig eines Vorortbahnhofes kennengelernt; wie sie Moses (Toby Wallace; ein junger australischer Wuchtschauspieler) ebenfalls kennenlernt. Er ist tätowiert, hat seine Wohnung verloren wegen Mietrückständen, wirkt aufgekratzt und gleichzeitig verlottert, Drogen dürften ihm nicht unbekannt sein; man spürt, den jungen Mann kümmern Gesetze und Konventionen wenig, er ist unbändig unabhängig, einen Schlafplatz braucht er trotzdem. 

Moses‘ Mutter, eine Pudelcoiffeuse, die in einem ähnlich ausladenden Bungalow wohnt wie Milla mit ihren Eltern, hat den Sohn rausgeschmissen. Sie ist mit ihren Pudeln und dem kleinen Bruder von Moses, Isaac (Zack Grech), allein. 

Wichtig für die sich anbahnende Hin- und Herbeziehung zwischen Milla und Moses ist, dass Milla ein Krebsleiden hat und Chemo braucht. Aber Regisseurin Shannon Murphy macht daraus nach dem Drehbuch von Rita Kalnejais keinen bedröppelnden Tumorfilm. 

Der Tumor, die Chemo, die Knoten machen auch nur einzelne Punkte aus im vielfältig beschriebenen Leben dieser australischen Akademikerfamilie; Milla lernt Geige spielen; deshalb kommt auch der Musiklehrer Gidon (Euglene Gilfedder) vor. Dieser versteht sich ganz gut mit Anna; während Henry – gewollt oder nicht – immer wieder Begegnungen mit der hochschwangeren Nachbarin Toby (Emily Barclay) hat, die ihren Hund „Henry“ ruft; Zufall oder nicht. Er soll ihr dabei behilflich sein, Glühlampen auszutauschen. 

Hauptspannungsfeld ist einerseits die Beziehung zwischen Milla und Moses, die sehr lange, sehr ungeklärt bleibt; auch das Verhältnis der beiden zu den Eltern von Milla, die Moses bald schon kennenlernen wollen. 

Gegen Ende, das ist vielleicht schade, verliert der Film durch die Entwicklungen der Krankheit von Milla den charmanten Wimmelbildcharakter und tendiert zum Melo. 

Eine antörnende Qualität des Filmes sind die australischen Schauspieler, die so unvoreingenommen, fast ‚urig‘, spielen, dadurch kommt diese Sich-Abmühen der Menschen aneinander frisch rüber. 

Die Kamera selbst übernimmt leger den Bungalowblick, der sich im Kino als hervorragend zur Beschreibung menschlicher Dramen eignet. Die Zwischentitel sind spontanistische Funktionstitel; untertiteln diesen Spiegel heutigen Upper-Class-Lebens in Australien; zu diesem gehört häufiger Pillenkonsum. 

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