Im Berg Dahuim

Schon im Zusatz zum Filmtitel „Milch, Luft und Heimat für die Seele“ geben die Dokumentaristen Rahel von Gunten und Thomas Rickenmann ihrer ungefilterten Begeisterung und Empathie für das Älplerleben und dessen Brauchtum Ausdruck. 

Es geht um ein Nomadentum, das sich über Jahrhunderte in den Alpen entwickelt hat. Im Frühjahr treiben die Sennen die Kühe der Bauern im Tal auf die Alpen hinauf, verbringen mit ihnen den Sommer oben, melken die Kühe, stellen Käse her und bringen im Herbst die Herde wieder beim Vieh-Scheid ins Tal hinunter zu den Bauern. Dieses Alpenleben hat Städter und Talmenschen immer schon fasziniert und sie sehen es teils als Inbegriff der Freiheit. 

Die Dokumentaristen haben Sennen im Allgäu auf verschiedenen Alpen beobachtet. Sie lassen sich begeistern von den schönen Ausblicken, den Stimmungen, dem Morgenrot, den intensiven Sommerweiden, Alpenrose und Sternenhimmel, den Kühen, Hühnern, Eseln, Ziegen und Schweinen und sogar ein zahmes Murmeltier kommt vor. 

Die Menschen auf den Alpen strahlen Gesundheit, Kraft, Glück und Ausgeglichenheit aus, ob es sich um traditionelle Familien handelt, bei denen schon der Kleinste einfach immer dabei ist oder ob es junge Leute sind, die nur zum Teil aus der Tradition kommen und ihren kleinen Zoo sich halten und die gesunde Luft und das freie, wenn auch einfache Leben genießen. 

Verblüffend ist immer wieder, wie Buben in den traditionellen Sennenfamilien schon viel Verantwortung übernehmen, gerade Teens, die allein Dutzende von Kühen hüten und Tagebuch führen sie auch! Aber die moderne Technik spielt genau so mit. Man kann zu den Freunden auf anderen Alpen SMS schicken, sie gar mit dem Feldstecher beobachten. 

Der Klimawandel verschont die Alpen nicht. Es muss Wasser hinaufgepumpt werden. Oder die Tränke muss näher ans Wasser gebracht werden. 

Die Filmemacher sind hingerissen von dieser Einheit zwischen Mensch, Natur, Familie und dass die Arbeit überhaupt nicht als Arbeit empfunden wird. Es ist das Sennenleben, das für viele nicht mal die Frage einer Alternative aufkommen lässt. 

Der Tourismus erschließt neue Einkommensquellen. Milchprodukte werden verkauft, Gäste zur Übernachtung aufgenommen oder zwei Jungs spielen „Straßenmusikanten“ mit Akkordeon und Posaune und freuen sich über einen üppigen Stundenlohn an Spenden. 

Auf der Tonspur sind einerseits Statements der Protagonisten, die immer wieder nicht nur die Freude am Sennentum erkennen lassen, sondern auch die große Verantwortung für die Tiere und auch für die Hygiene bei der Herstellung der Milchprodukte. Der übrige Score ist eine Abfolge traditioneller Ländler- und Jodlermusik. 

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