Es ist zu deinem Besten

Mit Gewalt

versucht Marc Rothemund eine deutsche Komödie nach dem Drehbuch von G. Raeth und Felix Starck auf die Leinwand zu stemme nach dem Motto, jetzt ist Humor angesagt und sein angesagter Cast – dem die Rollen vermutlich als Gunsterweis verliehen wurden – strengt sich an, das auch laut, deutlich und forciert zu zeigen. 

Innerhalb kurzer Zeit kommen hier Hochzeits-, resp. Hochzeitsverhinderungsfilme auf den Markt, wohlverstanden: deutsche Hochzeitsfilme. Alle wollen Komödien sein. Film- und vor allem kamera- und montagetechnisch, aber auch durch das bayerische Idiom, ist „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ noch am kinoaffinsten. 

Maggie Perrens Hallo again ist durchdruchgen von erzkonservativer, bürgerlicher Angst um das Scheitern des Hochzeitfestes, insofern ziemlich retro. 

Dieser Film hier soll das Remake eines spanischen Filmes sein. Die Deutschen haben so dran rumgemurkst, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das Original in Spanien ein Erfolg gewesen sein soll. 

Indiz für den Drehbuchknurz ist die häufig auftretende Frage, was hier passiere, was die Leute hier machen. Wobei der Zuschauer dieses längst weiß, insofern ist die Frage überflüssig, aber sie ersetzt dem Schauspieler das Spielen von Überraschung, wodurch der Film performerisch ärmer wird; vielleicht können die das gar nicht; dieser Stachel sitzt tief in der tv-verseuchten deutschen Drehbuchkultur, die immer meint, alles erklären zu müssen. 

Es gibt drei Trottel von Protagonisten, die allesamt Schwäger sind und die die Lieben ihrer Töchter boykottieren oder verhindern wollen. Von außen weiß man ja immer besser, was gut für den anderen ist. 

Franziska Aeigner hat einen in der Subventionskultur des deutschen Kinos gängigen und überraschungsfreien TV-Cast zusammengestellt; der sich für so gut hält, dass er es nicht mehr nötig hat, Chemie unter den Darstellern herzustellen; sind sie doch primär damit beschäftigt, zu zeigen, was sie können, sehr deutlich dies zu zeigen: Heiner Lauterbach (in jeder Szene wieder etwas anders braun geschminkt), Jürgen Vogel und Hilmi Sözer. 

Es scheint keinen Wettbewerb um die Rollen gegeben zu haben. Den Leuten werden die Rollen quasi verliehen, ehrenhalber oder wieso auch immer. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, scheint die Einstellung der Darsteller. 

Zum Vergleich könnten der französische Film Monsieur Claude und seine Töchter beigezogen werden und auch dessen Fortsetzung: da geht es auch um Hochzeiten, resp. umd deren Verhindernung, da ist aber fundamental das Thema des religiösen Vorurteils, was behandelt wird. Zudem ist die Ausgangslage eine glaubwürdige familiäre Konstellation und man muss nicht mühsam herauszuholen, wer hier wie mit wem verwandt ist und weshalb eine Hochzeit verhindern will.

Hier geht es nur um allgemeinplätzige Vorurteile und das Thema wird auch nur stümperhaft behandelt, wenn einer der Schwäger gleich ein halbes Kilo Koks kaufen will (was alles nur ganz schwach begründet ist, wie die dazu kommen), so zeugt das doch von enormer Weltfremdheit, so dumm kann doch ein Erwachsener in Deutschland nicht sein. 

Es wirkt, als habe Marc Rothemund den Auftrag, Szene für Szene für einen Werbefilm zu drehen und nicht einen Kinospielfilm, der einen Atem braucht, mit dem er den Zuschauer anhaucht, betüdelt und betört. 

Das heißt nicht, dass der Cast schlechte Schauspieler seien, keineswegs, aber sie haben hier nichts zu bewältigen, die Rollen haben keine Konflikte, sie haben keinen Background, sie schweben im luftleeren Raum, deshalb wirken die Schauspieler so, als würden sie auf einer leeren Bühne vorsprechen. Ein weiterer Beweis für das Darniederliegen der deutschen Drehbuchkultur. 

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