Somewhere Else Together (DVD, VoD)

Raus aus dem Corona-Gefängnis!

Ok, die erhoffte Transformation hat nicht stattgefunden, befindet Daniel Rintz, der sich mit Josephine Flohr auf eine am Schluss drei Jahre lange Reise mit Mottorrädern aufgemacht hat und mit dieser Dokumentation einen schnell und abwechslungsreich geschnittenen Abriss davon gibt. 

So ein Film kann sicher eine anregende Abwechslung sein für Reiselustige, die dank Seuchenschutz genau solche Reisen nicht unternehmen können. 

Es ist die Fortsetzung der Soloreise von Rintz von vor 8 Jahren unter dem Titel „Somewhere Else Tomorrow“. Gestartet ist er mit seiner Reisepartnerin in Deadhorse in Alaska. Von dort aus war das Ziel der südlichste Punkt von Patagonien, Ushuaia. Da waren zwei Jahre um und Rintz hat sich die Eingangsfrage gestellt. Aber aufhören mochten die beiden nicht, die sich mit Jobs über Wasser gehalten haben. Allzu viel erfährt man darüber nicht. Manchmal erzählt Rintz von Filmen, die er unterwegs macht. Oder sie helfen bei der Renovierung einer Schule oder bei der Herrichtung einer Wohnung, die verkauft werden muss. 

Der Film ist eine rasche Montage aus spektakulären Landschaftsaufnahmen, immer wieder die Motorräder in Fahrt auf halsbrecherischen Bergstraßen, auf einem Salzsee oder auf staubigen Pisten, im Dschungel oder liegend oder stehend oder in Reparatur und von vielen Begegnungen mit Menschen, die sie kannten oder kennengelernt haben, auch mit anderen Bikern. 

So ergeben sich magazinhaft bunt gemischte Eindrücke von sozialer Situation, von gesellschaftlicher Lage, von der Sicherheitslage eines Landes, von Eigenarten der Kultur, von Einblicken in das Leben eines afrikanischen Stammes oder von Urwaldbegegnungen mit Gorillas. 

Auch die Folklore kommt vor oder der Besuch in einer Höhle mit 1200 Jahre alten Mumien, die in der trockenen Luft bestens erhalten sind. Aber auch der Kampf um einen Job bei der Verladung der schweren Motorräder auf eine Fähre ist zu sehen; originell auch die Fahrt mit dem Schiff „Stahlratte“, das spezialisiert ist auf den Transport von Motorrädern von Mexiko durch die Karibik nach Kolumbien. 

Es ist ein Film wie gemacht für das Homekino. Man kann ruhig zwischendrin plaudern oder sich ein Getränk in der Küche holen oder Knabbereien. Man kann den Film anhalten und später weiter schauen. Es ist sicher ein schöner Eskapismus, besonders jetzt, wo bei uns die Corona-Zahlen wieder steigen und die Tage kürzer, das Wetter schmuddelig wird. 

Der zweite Teil der Reise geht vom Süden Afrikas in Richtung Marokko. Damit wird das dritte Jahr der Reise eingeläutet, die die Fahrer zusehends auslaugt, was das Gefahrenbewusstsein beeinträchtigt und die Sehnsucht nach einem geregelten Leben in Deutschland stärker werden lässt.

Wobei die Frage ist, wie viel Reisen braucht der Mensch? Man könnte, wenn man es sich denn leisten kann, rauschhaft ständig unterwegs sein; wobei sich auch hier sicher ab und an die Sinnfrage stellt, wie sie es auch bei diesen Selbstdokumentaristen getan hat, dabei hatten sie ja sogar ein Arbeits-Reise-Konzept. 

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