Blackbird – Eine Familiengeschichte

Ärzte in Amerika leben besser

Der Film spielt in den USA. Das Landhaus des Ärzteehepaares Lily (Susan Sarandon) und Paul (Sam Neill) hat Ausmaße, Anbauten und eine Freitreppe zum Eingang, dass man in unseren Breiten mehr als ein Arzt drin vorstellen würde.

Dagegen ist das Protagonistenhaus im europäischen Vorbild dieser amerikanischen Verfilmung eines Drehbuches von Christian Torpe und in der Regie von Bille August (Silent Heart – Mein Leben gehört mir) fast ein Gartenhäuschen zu nennen. In der hier zu besprechende amerikanischen Variante ist Roger Michell der Regisseur. 

Die Geschichte ist die gleiche. Die Mutter hat ALS diagnostiziert, was ein über Jahre quälendes Abnehmen der Reguliermöglichkeiten des Körpers in Richtung der totalen Lähmung bedeutet. Das will Lily nicht. Sie entscheidet sich für den Freitod mit Hilfe ihres Mannes. 

Vorher aber will sie ihre Familie noch einmal sehen und Abschied feiern von ihren beiden Töchtern Jennifer (Kate Winslet) mit deren Mann Michael (Rainn Wilson) und dem gemeinsamen Sohn Jonathan (Anson Boon) und Anna (Mia Wasikowska) mit Freundin Chris (Bex Taylor-Kloaus) sowie der langährigen Hausfreundin Liz (Lindsay Duncan). 

Diese Aufzählung lässt vermuten, dass wir es mit einem ausgesprochenen Ensemblefilm zu tun bekommen, eine Familie in einem Haus, unausweichlich, dass Unausgesprochenes an den Tag kommt und die Konfrontation mit einem organisierten Tod ist auch nicht einfach. 

Substantiell hat sich damit zwischen dem europäischen Original und dem amerikanischen Remake nichts geändert. Die europäische Variante war engräumiger, gemütlicher, familiärer. Die amerikanische erinnert an den Gigantismus der amerikanischen Filmindustrie, alles muss eine Nummer größer sein (man kann sich ausmalen, was für ein riesiger Fuhrpark aus Wohntrailern und Technik-Trucks irgendwo hinter dem Landhaus in den Dünen versteckt gewesen sein muss beim Dreh mit so vielen und so hochkarätigen Stars). 

Die Amerikaner haben sich im Gegensatz zu den Dänen fürs Staatstheater entschieden und – wohl eher zufällig – für eine Art coronagerechter Inszenierung, es ist oft so viel Platz zwischen den Darstellern, die häufig fast alle zusammen in einem Raum sind, allein weil die Räume so groß und die Möbel so breit sind. 

Manchmal scheint das Ensemble in der gewaltigen Ausstattung fast unterzugehen. Die ist aufdringlich im Vergleich zum dänischen Vorbild. 

Die Amerikaner haben sich für eine Kamera entschieden, die einiges im Unscharf lässt, selbst teure Stars müssen mal als verschwommene Silhouette im Hintergrund mit dem Staubsauger auf und ab wuseln. Pastellen ist oft der Himmel und ebenso die dezente Musikuntermalung. Von der Action her stehen Stück und Darsteller im Vordergrund und bringen es unfallfrei und mit bewunderungswürdiger Professionalität auf die Leinwand. Das Stück ist im amerikanischen Remake nicht weniger präsent als in Bille Augusts Original. 

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