Hello Again – ein Tag für Immer

Alptraum Hochzeit.

Mit dem „Tag“ aus dem Titel ist der Hochzeitstag gemeint, mit „Hello Again“ ist die alptaumhafte Schlaufe aus schiefgegeganener Hochzeit gemeint, mit der Maggie Peren die Hochzeitsalpträume ihrer Protagonistin nach dem Motto Wiederholung mit Variationen füllt. 

Bei einer Hochzeit geht es generell um Sicherheit und Haben einer Liebe, für immer. Es geht also nicht ums Sein; insofern ist es nur konsequent, dass Daniela Tolkien einen angesagten Cast aus möglichst glatten Jungschauspielern im heiratsfähigen Alter ausgewählt hat, auch dabei gilt „Haben“ geht vor „Sein“; hier ganz profan, die handwerklichen Fähigkeiten, die Jungdarsteller nach ein paar Jährchen im Beruf sich angeeignet haben und diese hier auch schön ausstellen.

Es ist also ein Hochzeitsfilm, ein Alptraumfilm, womöglich ein Benimm-Film. Anton (Edin Hasanovic), Patrick (Samuel Schneider) und Zazie (Alicia von Rittberg) leben in einer WG, für die Sex kein Tabu ist. Alptraumhaft wacht Zazie immer wieder auf, wenn sie Antons Bett aus dem Nebenzimmer orgiastisch knarzen hört. Was möglicherweise auf eine Zuneigung zu Anton schließen lässt, aber wie gesagt, für tiefere Gefühle und Romanze oder RomCom ist in so einem Film kein Platz. 

Der weitere Alptraum von Zazie ist der, dass ihr Kinderfreund Philipp (Tim Oliver Schultz) heiratet mit den besten Zähne knacken behandeln und sie zu spät kommt, ihn davon abzubringen. Insofern auch a movie of failed marriages, einem beliebten Kinomotiv. 

Hochzeit ist ein bürgerlich Ding, das in der Realität nie schiefgehen sollte; weil da könnte das ganze Leben drunter leiden; um so lieber tut es das im Kino. Die inhaltliche Leere, die das Hochzeitsdenken mit sich bringt, füllt Maggie Peren mit Aktionismus, mit Kameraspielereien, mit teils raschen Schnitten und mit einer Musik auf dem Level von Weltkino. 

Es dürfte sich um einen Zielgruppenfilm handeln, für die bürgerliche Jugend, die auf gar keinen Fall will, dass die eigene Hochzeit schief geht und die kompensatorisch solche Missgeschicke immer und immer wieder bei anderen gerne erlebt. Ein Popcorn-Film. Es gibt ja nichts zu verpassen – außer vielleicht der eigenen Hochzeit. Insofern, als es sich um Alpträume handelt, bohrt der Film dann doch in den Tiefen der bürgerlichen Seele. 

Schuld an dem Chaos oder an der Panik vorm Misslingen der Hochzeit, die gleich auf die ganze Ehe hochgerechnet wird, das zeigt der einführende Kindheitsrückblick, sind die kaputten Familienverältnisse bei Zazie zuhause, der ewige Streit der Eltern: wodurch wohl die Sehnsucht nach geordneten Familienverhältnissen, die durch eine Hochzeit besiegelt werden, ja, die diese geradezu garantieren (sollen), umso größer ist und entsprechend auch die Angstträume, es könnte schiefgehen, was sich im Dauergag der immer wieder zu Boden fallenden Statue spiegelt. Größtes Lebensproblem: ein paar Scherben.

Mit der kitschigen Kulisse für Hochzeitsfotos macht sich Maggie Peren lustig über die Hochzeitskultur, mit dem Alptraumkontent ihres Filmes aber nimmt sie diese todernst. Damit begrenzt sie den Wirkkreis ihres Filmes auf ein latent hochzeitsbelastetes Zielpublikum.

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