Die Rückkehr der Wölfe

Ein älterer Mann, der mit seiner Frau in einer hüttenähnlichen Behausung in einsamer Waldgegend in der Grenzregion der USA zu Kanada lebt, beobachtet im Winter, wie einer stolzer Hirsch durch den tiefen Schnee stakst. Er boabachtet ihn, denkt über ihn nach, wovon der sich wohl ernähre bei diesem Schnee. Minuten später sieht er einen Wolf in ähnlicher Richtung durch den Schnee sich bewegen. Ähnliche Gedanken. Auch ihm wünscht er Glück, bis es beim Beobachter Klick macht. Er kommt zum Schluss, dass es für den Menschen das Beste sei, die Natur zu beobachten. Ob das auch das Fazit des Filmes von Thoma Horat ist, bleibt offen. 

Horat hat sich, unterstützt vom Schweizer Fernsehen, auf eine Reise durch die Schweiz, nach Österreich, Deutschland, Polen, Bulgarien und in die USA gemacht. Überall hat er mehr oder weniger zielstrebig und mehr oder weniger systematisch Menschen gesucht und gefunden, die beruflich mit dem Thema Wolf konfrontiert sind wie Schafhirten, Wildhüter, Wissenschaftler, Wolfs- und Verhaltensforscher, Wildbiologen, Naturführer, Autoren, mit Wolfsprogrammen befasste Menschen. Er hat sich mit ihnen über das Thema Wölfe unterhalten. Es gibt auch Wolfsaufnahmen als Beifang und teils aus Archiven zu sehen. 

Trotz der Zersplitterung der Nachforschungsorte ergibt sich als Gesamtbild – Jäger hat er nicht interviewt, dezidierte Wolfgegner oder -kritiker auch nicht – die Aussage, dass Wölfe generell keine Gefahr sind, dass die Wölfe mit den Menschen die Rudelbildung und auch die Fähigkeit zu Massackern verbindet, jedoch nicht am eigenen Rudel, dass Mensch und Wolf Schwestern in der Evolution seien, dass sie menschenscheu sind, solange sie gesund sind, dass es da, wo sie zusehends ins Kulturland dringen, zu Konflikten besonders zwischen Tierzüchtern und dem Wolf kommt, wobei sich für kleinere Schafhalter die Anschaffung eines Hundes nicht lohnt oder die ständige Überwachung, was zur Verwilderung der Alpen führen kann. 

Es gibt einen kurzen, historischen Abriss über die Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Wolf teilweise ausgerottet worden ist, mit nicht nur positiven Folgen und die länderübergreifende Erkenntnis, dass der Wolf, wo er immer schon da war, kein Thema sei und wo er sich neu ausbreite, gerne zum Sensationsthema mit Angstinput wird, was sich negativ auf ihn auwirke. Und die Erkenntnis, wer in der Stadt lebt und nichts mit dem Wolf zu tun hat, der ist für die Wiederansiedlung, und wer den Wolf plötzlich im eigenen Schafstall hat, der denkt nicht ganz so. Also auch das ein Befund, der recht allgemeingültig und nicht besonders neu scheint. 

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