Binti – Es gibt mich!

Der Okapi-Club.

Kinderfeelgoodmovie mit ernsten Untertönen und mit einem Happy End. 

Die ernsten Untertöne sind zuerst diejenigen im Zusammenhang mit dem Okapi, einem Tier, das zu Kolonialzeiten von den Belgiern aus dem Kongo in Zoos in aller Welt verschifft wurde, nicht jedes Okapi hat überlebt. 

Der noch ernstere Unterton dabei ist die Kolonialzeit, Belgisch Kongo, vieles bis heute nicht aufgearbeitet. Der aktuelle ernste Unterton sind zwei Kongolesen, die ohne Papiere in Belgien sich aufhalten; sie müssen jeden Moment mit Entdeckung und folgender Abschiebung rechnen. 

Diese Hintergründe und diesen Rahmen nutzt Frederike Migom, um daraus eine entzückende Geschichte zu bauen. Unabhängig voneinander führt sie die beiden Hauptfiguren ein, die Kinder Binti (Bebel Tshiani Baloji) und Elias (Mo Bakker). 

Beide stehen vor der Pubertät, sind aktive Blogger mit eigenen Kanälen. Elias hat den Okapi-Club begründet und berichtet über dieses Tier. Er ist das einzige Clubmitglied. Sein Vater hat mit einer anderen Frau in Brasilien ein weiteres Kind. Nachbar Floris (Frank Dierens) steht auf seine Mutter Christine (Joke Devynck); Elias nennt ihn verächtlich einen Waschlappen. 

Binti betreibt ihren eigenen, putzmunteren Kanal und träumt von großen Klickzahlen wie ihr Vorbild. Eine Polizeirazzia in ihrer Unterkunft zwingt sie mit ihrem Vater Jovial (Baloji) zur Flucht. Diese führt in das Wäldchen, in welchem Elias seine Baumhütte und seine Blogging-Station hat. 

Der Rest, also das Zusammentreffen der beiden Geschichtsfäden, ist viel Rom-Com oder eben Feelgood-Movie, wie sich die beiden Fraktionen kennen und schätzen bis lieben lernen. Wie sie zusammen Programm machen wollen. Gefahr lauert vom Verwandten Farid (Aboubakr Bensaihi), der Polizist ist und auch Nachbar Floris ist nicht glücklich, zu sehen wie Christine auf Jovial abfährt. 

Frederike Migom führt wunderbar Regie. Beim Sichten habe ich das Bild ab und an angehalten und es war frappierend zu sehen, wie konzentriert die Akteure in ihren Rollen bis in die Tiefen sind und vollkommen stimmig, präsent.

So entwickeln sich die Dinge prächtig, der menschliche Austausch ist erfreulich und herzerwärmend bis zu einem geplanten Tanzauftritt vor eingeladenem Publikum. 

Ein extremer Twist erhöht die Spannung bis zum Ende nochmal deutlich, das dann aber schnell zum „happy“ Ending zusammengeschnürt wird. Der Titel ergibt sich aus dem Zusammenhang des Vornamens des Mädchens und daraus, dass nur, wer Papiere hat, auch ist, ein Mensch ist; aber Binti trotzt sich mit ihrem Kanal dazu durch, dass sie auch so und damit sei, dass es sie gebe. Gut gemacht, Binti! 

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