Oktoberfest 1900 (Folge 1 und 2) (ARD, Dienstag, 15. September 2020, 20.15 Uhr)

Das kommt heraus,

wenn die ARD beim BR kreißt, wenn weisungsgebundene öffentlich-rechtliche Rundfunkredakteure wie Bettina Ricklefs (BR), Daniela Boehm (BR), Carolin Haasis (ARD Degeto), Jana Brandt (MDR), Meike Götz (MDR), Elke Kimmlinger (WDR) das ganz große, aufwändige TV-Movie oder TV-Event für das als nicht allzu intelligent vermutetet Hauptabendpublikum über das Oktoberfest machen, wenn Drehbuchköche Stefan Betz, Christian Lex, Nikolaus Schulz-Dornburg, Michael Proeh nach einem Konzept von Alexis von Wittgenstein unter Leitung der Head-Autoren Ronny Schalk und Christian Limmer den ganz großen Kostüm-Aufwandbrei kochen orientiert am Schund-Roman (der zitiert wird), mit einem Hinkebein-Storytelling mit Steif-Dialogen auf den Ebenen von Herrschaft und Gesinde, Au und Hochdeutsch in einem scheußlichen Sprachbrei wie sauer Bier aus einem Günstlings-Cast, der keinerlei Wettbewerb für die Rollen vorsieht, der frei Haus ein Stück vom Zwangsgebührenkuchen erhält für teils kaum spielbare Rollen, da prinzipiell die Rollenfundierung fehlt, da es nur um Illustration geht, man hätte auch Roboter aus dem Kostümfundus einkleiden können.

Das alles spielt sich ab vor einer irritierten Kamera, die nicht weiß, wofür sich interessieren (der arme Cutter!) und die oktoberfestlich vor allem drohnen- und zoombeschwipst rumhampelt. 

Ein Film, der groß tun möchte mit aufreißender Kamera, vor allem mit hochdramatischer Musik, so bedeutungsaufgeladen wie möglich, um die Leere der brav auswendig gelernten Dialoge zu übertönen. 

Was der Chose fehlt, ist eine klar Ausgangsposition. Denn es ist nicht die Vita von Prank (Misel Maticevic), die interessieert, dem Brauer aus Nürnberg, der um 1900 das Oktoberfest zu dem machen möchte, was es heute ist. Respektive dieses Jahr nicht ist, so eine lausige Hommage aber hat es stattdessen nicht verdient. 

Exotisch in Folge eins und zwei sind die Kannibalen, die es aus einem deutschen Schutzgebiet nach München verschlagen habe und denen der Mord am Brauer Höflinger (Francis Fulton-Smith) in die Schuhe geschoben werden soll. Kurz erinnert man sich, dass um diese Zeit an der Münchner Isar (wo die Kannibalen offenbar leben) Western gedreht worden sind – vielleicht a bissl später. Aber nicht mal zu diesem Zeitvergleich ist der Film fähig. 

Es ist vor allem Kostümgetue und Sprechverhau. In Folge zwei zeigt sich ein Ansatz, wie die Oktoberfest-Saga (je nachdem wie es später weitergeht) spannend hätte aufgedröselt werden können. Ausgerechnet in dem Moment, in dem die Höflinger Witwe Martina Gedeck das Heft des Handelns übernimmt, da wird klar, wenn die Geschichte mit so einer starken Schauspielerpersönlichkeit (egal, dass sie mir in ihren Psychorollen auf den Wecker geht) als Hauptfigur erzählt worden wäre und ganz klar die anderen Handlungsstränge diesem unterordnet, dann wäre vielleicht ein beachtliches Werk draus zu machen. 

Aber das Storytelling, das Storytelling, das ist malade, zu viele Köche verderben den Brei und der Hauptkoch oder die Hauptköche scheinen den Überblick andauernd zu verlieren. 

Jedenfalls wird die Prank-Figur nicht spannend genug eingeführt oder es fehlt an flankierenden Parametern, die seine Vision spannend machen würde. Während bei der Gedeck-Figur, bis sie ins Zentrum rückt, bereits viel solcher Info da ist, die ihre Konfliktsituation etabliert. Prank ist nur ein kapitalistischer Rüpel, verdient null Empathie. Der Film ist möglicherweise auf dem falschen Fuß aufgestanden. 

Pseudokostümaufwand macht großen Film, glauben die. Und ein Günstlingsbesetzungchaos bringt auch keine Qualitätssteigerung. 

Verseppelte Kamera.

Die ARD verhebt sich an Möchtegerngehobenem mit steifen Dialogen voll triefender Klischees. 

Schwach und unsauber inszenierte Action, unvollständig erzählt, bis dilettantisch. Das Trio Gedeck und Söhne könnte einen Storynucleus bilden. 

Es gibt zwar eine ganze Hierarchie von Autoren, aber es fehlt der ordnende Geist, der alles duchdringt, dadurch ensteht überwiegend anonymisierte Industrieware of no cultural value. Der ist im Ansatz vielleicht vorhanden in der verbleibenden Kernfamilie in der Au mit der Mutter und den zwei Söhnen. 

Beleg auch für die Drehbuchschwäche: wie viel spannender war doch der Darsteller Misel Maticevic des Prank in Exil mit einer diffizilen Rolle als hier in diesem Fernsehquark, wo er eine simple Kapitalistensau zu spielen hat. Verständlich, dass er die Drehtage und die schöne Gage mitnimmt, glorioser wird seine Biographie dadurch nicht. 

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