The Photograph

Die Liebe, die Liebe

ist ein komplex Ding und über sie zu schreiben, zu singen, zu filmen macht es nicht einfacher, erst recht nicht, wenn zwischen Louisiana und New York und zwischen drei Generationen hin- und hergesprungen wird und wenn Regisseurin und Autorin Stella Meghie möglicherweise Anekdotisches aus eigener Erfahrung berichtet, was seinen glaubwürdigen Reiz entwickelt, aber sich nicht auf einen Hauptfokus oder eine Haupterzählperson oder -position entscheiden kann. 

So ist unsereins doch primär damit beschäftigt, das fragmentarisch vor einem ausgebreitete Puzzle zusammenzusetzen zu versuchen. In Erinnerung bleibt vor allem das bestechende Spiel der Darsteller, natürlich und unverkrampft, teils mit Augen, die allein viel erzählen: Issa Rae als Mae Morton, LaKeith Stanfield als Michael Block, die das Drehbuch zusammenführt. 

Anlass ist der Sturm Katharina, der in Louisiana wütet. Michael ist Journalist und wird deshalb dorthin beordert. Er sieht in einer Wohnung ein Foto, das ihn fasziniert. Das hat die Mutter von Mae geschossen, die es jung, hier springt der Film in die 80er Jahre zurück, in Louisiana nicht ausgehalten hat und nach New York gegangen ist und dort als Fotografin Karriere gemacht hat. 

Eine Liebesnacht mit Isaac (Rob Morgan) hat wohl Mae gezeugt. Die weiß das aber bis kurz vor Ende des Filmes nicht. Aber auch das war eine Liebesbeziehung, die bevor sie richtig da war, wieder auseinander gegangen ist. Ähnlich wird es zwischen Mae und Michael ablaufen. 

Beim Versuch, die Handlungs- oder Erzähllinie des Filmes zu rekapitulieren komme ich andauernd ins Straucheln, so dass ich diese Absicht wieder fallen lasse. Stattdessen kann ich nur den Eindruck wiedergeben, dass sich die Autorin möglicherweise in zu vielen Details aus Erinnerungen verlaufen hat, dass sie in ihrer Welt gefangen bleibt, ohne sich klar zu machen, dass Außenstehende durchaus Mühe haben könnten, ihr zu folgen. 

Stella Meghie schildert zwar schöne, gut bürgerliche, musisch bürgerliche Verhältnisse in Louisiana, wohlige Häuser, in denen viel Kunst, Tendenz: expressionistisch, an den Wänden hängt und die Bilderzählung und die Dialoglast untermalt sie mit wunderbarem New Orleans-Jazz, was auch bei uns den Kulturbürger erfreuen dürfte. 

Es gibt Einblick in Fotoarchive, in Kunstausstellungen, es gibt einen fantastisch sauber und schön geschriebenen Brief der Mutter an Mae und einen ebensolchen an Isaac und es gibt auch einen kurzen Eindruck aus einem New Yorker Fotostudio, geräumiges Loft, sowie Einblicke in eine New Yorker und eine (beengende) Londoner Zeitungsredaktion und immer wieder einen Hauch von Südstaatenfeeling. Und wenn die Menschen nicht mehr lieben, dann werden sie wohl auch keine Filme mehr machen.

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