Uferfrauen – Lesbisches L(i)eben in der DDR

„Vom anderen Ufer“, haben die vielleicht gesagt, aber doch nicht „schwul“ oder „lesbisch“, damals in der DDR. 

Wenn denn die gleichgeschlechtliche Liebe überhaupt offiziell existent war. Die musste sich selbst ihren Weg bahnen. Das geht von Ahnungen aus, von Schmetterlingen im Bauch bei der Ansicht einer anderen Frau, das kann jahrelang eine stinknormale Ehe im Leben sein, weil die Frau nichts anderes kennt, bis sie den ersten Kuss von einer Frau erlebt, da werden Türen eingetreten, wenn eine Frau endlich mal mit einer anderen Glück erlebt und es folgen Anklagen und Gericht und schlimme Sachen. Solche kann es aber auch von zuhause aus geben, die für die Tochter zum Martyrium werden. 

Barbara Wallbraun hat für ihre einfühlsame Dokumentation, von der sich speziell die BR-Promi-Lebenslinien so einiges abschneiden könnten, Christiane, Carola, Pat, Elke, Sabine und Gisela vor die Kamera geholt. 

Alle diese Frauen sind in der DDR aufgewachsen, hatten dort ihr Coming-of-Age und ihr Coming-Out und sie erzählen so anrührend von ihren Geschichten, als ob es in der Welt nur darum gehen, ganz privat seine Partnerin zu finden. Was auch klar macht, dass es doch völlig wurst ist, ob Mann und Frau, ob Mann und Mann oder ob Frau und Frau und falls da noch ein Kind ist, so hat auch dieses zwei Erwachsene als Bezugspersonen. 

Die Interviews erwecken anfänglich den Eindruck, als ginge es nur um das private Glück. Allerdings überrascht der Film um die Zeit der Wende damit, dass einige der Frauen einen weiteren Blick auf die Gesellschaft entwickeln als nur auf die eigenen vier Wände und sich in die Diskussion des gewaltfreien Umsturzes der DDR und auch in der Nachwendezeit eingebracht haben und noch einbringen. 

Zwischendrin gibt es Erinnerungsfotos, meist schwarz/weiß wie in einem liebevollen Poesiealbum und gerne mit Strichanimationen ergänzt. Jedes Leben der hier persönlich und klischeefrei porträtierten Frauen gäbe Stoff für einen eigenen, dramatischen Spielfilm ab. 

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