Nina Wu

In der Ruhe liegt die Dramatik

Das macht diesen Film von Midi Z, der mit seiner Protagonistin Ke-Xi Wu auch das Drehbuch geschrieben hat, so bannend, so unwiderstehlich, ja fast Angst einflößend, so wie in Edelmetall gegossenes Leben, das der Regisseur sein Psychogramm einer Schauspielerin in salonhaft ruhigen Bildern erzählt. 

Es ist die Geschichte der Schauspielerin Nina Wu (Ke-Xi Wu), die seit 8 Jahren in Taipeh ist (der Film selbst gibt als Produktionsländer Taiwan, Malaysia und Maynmar an). Seit 6 Jahren kennt sie ihren Agenten und seit sechs Jahren hat sie nur Werbung und Kurzfilme gemacht, keine einzige Filmhauptrolle. 

Jetzt ergibt sich die Chance, aber … . Das Aber ist, dass sie nackt spielen müsste, für die etwas unsicher und irritiert wirkende Frau ein kaum zu überwindendes Hindernis. In Amerika würden sie das doch auch machen, das gehöre zum Geschäft. 

Vorher aber kommt das Casting. Das sind denkwürdige Szenen, wenn 6 schlanke Frauen in langen roten Kleidern sich in einem prunkhaften Hotel in einem Raum mit erotikschweren Teppichen und Vorhängen dem Produzenten vorstellen. Namen haben sie nicht, nur Nummern. Auch hier kommt durch die fast überirdische Erzählruhe, das Unerbittliche und das Gnadenlose einer solchen Fleischshow nur noch brutaler und stärker zur Geltung. 

Der Hammer darauf ist der Castingsatz, den die Damen sprechen und spielen müssen: „Sie nehmem mir Körper und Seele“. Das dürfte der zentrale Schmerzsatz in diesem packenden Schauspielerinnenporträt sein, das bewusst macht, wie der Schauspieler und die Schauspielerin nichts, rein gar nichts ist, nur Körper und Seele als Spielzeug für Regisseure. 

Dahinter steht die provokante Farge, wie weit sie zu gehen bereit seien. An die Grenzen gehen bei einer erniedrigenden Show, den Hund spielen „Wau wau“, der Kollegin die Kleider vom Leib reißen. Und da ist der Weinstein-Moment noch gar nicht da. Und der Dreh hat noch gar nicht begonnen, die nächste Stufe des Wahnsinns, besonders wenn es um eine Szene auf explodierenden Schiffen geht und die Protagonistin nicht tauchen kann. 

Und auch das ist erst der Vorhof zur Hölle des Erfolgs, der sich überraschenderweise auch noch einstellt. Der aber kein Glück bringt, sondern die angekratzte Seele vor weitere Prüfungen stellt, zu schweigen von den Angstträumen – denn auch eine Schauspielerin ist nur ein liebessehnsüchtiger Mensch. 

Nein, die Filmerei ist kein Zuckerschlecken – das kann sich der Zuschauer durchaus auch mal wieder bewusst machen.

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