Eine private Angelegenheit – Una Question privata

Irre wegen einer Frau.

Ist das vielleicht der wahre Krieg, der wegen einer Frau, ist der reale Krieg, der Weltkrieg nur Dekor, Symbol für die Verwirrung eines Mannes wegen einer Frau, für die Verliebtheit eines Mannes in eine Frau? 

Wie Giorgio (Lorenzo Richelmy) seinem Freund Milton (Luca Marinelli) Freundin Fulvia (Valentina Bellè) vorstellt, durchfährt es Milton wie ein Blitz. Von einer Frau getroffen.

Es gibt mehrere Begegnungen, vor allem gibt es einen Briefwechsel, es entsteht eine unentschiedene Mélange à trois, ohne Entscheidung. Diese Geschichte wird in Rückblenden auszugsweise geschildert. 

Der Film fängt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in den italienischen Alpen an. Milton, der ist Italiener, aber weil er in der Schule Shakespeare-Fan war und den Hamlet spielte, erhielt er diesen Spitznamen, der ihm geblieben ist und ihn als hochgebildet charakterisiert. Er und sein Freund Giorio, der der sinnlich-direktere Typ ist, haben sich den Partisanen angeschlossen. 

Mit viel Nebel fängt Paolo Taviania sein karges, in Altersökonomie sparsam erzähltes Meisterwerk an. Die beiden Freunde kämpfen sich bergauf. Ziel wird das pompöse Anwesen sein, in dem Fulvia einst lebte. Die Läden sind geschlossen. Milton möchte wenigstens einen Blick in die Räumlichkeiten werfen, möchte Fulvia vor seinem inneren Auge auferstehen lassen. Sie aber hat sich ans Meer abgesetzt. 

Es ist Krieg, die Faschisten werden von den Partisanen Kakerlaken genannt. Es ist Krieg, mit all den Gräueln, den Massackern, den sinnlosen Morden und Folterungen. Der Krieg erscheint hier aber mehr als eine Illustration des Durcheinanders im Kopf eines jungen Mannes, der vom Furor einer unerfüllten Liebe getrieben wird, vielleicht sogar sich deswegen den Partisanen anschließt, weil sein Freund es tut (das ist Spekulation meinerseits). 

Giorgio wird gefangen. Daraufhin wird Milton zum Einzelkämpfer. Er sucht einen Kakerlaken, den er zum Tausch für Giorgio anbieten könnte. Er tut es nicht fürs Vaterland, er tut es nicht aus Freiheitsideologie, keine Schönschilderung, er tut es, weil diese Frau Fulvia in seinem Kopf rumgeistert; womit der Titel des Filmes, dass es sich um eine private Angelegenheit handelt, punktgenau eingelöst ist. 

Das ist vielleicht die altersweise Betrachtung des Mannes als jungem Lover erzählt in wunderbar in Jahren gereifter Kinoschrift, einem Kino, das gleichzeitig auch eine Liebeserklärung ans traditionelle italienische, ans große italienische Kino ist; insofern sich jedem modischen Schnickschnack und jeder Anbiederung an einen allfälligen Zeitgeist entzieht – und umso mehr bannt und für sich spricht. 

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