972 Breakdowns – Auf dem Landweg nach New York

Zu Risiken und Nebenwirkungen von Abkürzungen

Eines der aufregendsten Kapitel in dieser Ausbüchsergeschichte des Teams Leavinghomefunktion (Anne Knödler, Efy Zeniou, Elisabeth Oertel, Johannes Fötsch und Kaup Homberg) in der Regie von Daniel von Rüdiger ist dasjenige einer Abkürzung, die die fünf Motorradfahrer in Russland nehmen wollten, um Benzin und Fahrzeit zu sparen. Hier geraten sie ans Ende ihres Lateins und zwischendrin sieht es so aussichtlos aus, wie der Transport des Schiffes von Fitzcarraldo durch den Amazonas. Der Sog des Filmes hat einem da eh schon den Ärmel reingezogen.

Die 5 Kunststudenten aus Halle an der Saale haben sich ein ziemlich verrücktes Projekt vorgenommen für ihren Übergang von der Studienzeit ins „richtige“ oder allenfalls bürgerliche Leben. Sie wollen von Halle aus mit Motorrädern mit Beiwagen auf dem Landweg nach New York. Und nicht auf irgend welchen TopHigh-Tech-Dingern, sondern auf alten bis uralten russischen „Ural“-Motorrädern. Die sind vielleicht, wenn ich das richtig verstanden haben, so einfache Allzweck- und Ausdauer-Fahrzeuge im rollenden Verkehr wie die Kalaschnikow im militärischen Bereich. 

Die „Ural“ gibt es überall, sie sind nicht nur in Russland weit verbreitet. Die Überlegung der Abenteurer ist schlau, sie werden immer Garagen finden, in denen sie Ersatzteile oder Reparaturen besorgen können. Hinzu kommt, dass damit auch der Kontakt zu Einheimischen schnell herzustellen ist, Gastfreundschaft und HIlfsbereitschaft inbegriffen.

Erst mussten die Abenteuer-Akteure den Motorradführerschein machen und die Geräte in- und auswendig kennenlernen, ein Wissen, auf das sie bei den am Anfang nicht abzusehenden 972 Pannen noch häufig zurückgreifen werden. 

Es ist der Bericht über ein waghalsiges, fast wahnwitziges Abenteuer, das sich auf zweieinhalb Jahre ausweitet mit unvorhergesehen längerm Aufenthalt in Kanada, um die letzten paar Tausend Kilometer Russland noch zu beenden, um die Motorräder flusstauglich zu machen, um einen Anhänger zu konstruieren, der auch zur Behelfsbrücke für Flussüberquerungen umgewandelt werden kann. 

Das Team hat keine Einzelzelte dabei, nur eine große Zeltplane, die als Dach über einen Schlafplatz für alle herhalten muss. 

Der Bericht konzentriert sich vor allem auf die technischen Dinge; Pannenschilderungen werden mit Diagrammen und Zeichnungen ergänzt. Selbstverständlich gibt es genügend Bilder der unendlichen Weiten der Mongolei, von Russland, Sibirien, Alaska, von der Flussfahrt, von aussichtslosen Lagen. 

Eine Grundsatzfrage, die immer wieder auftaucht, ist die, auf wen hören, soll man diesen Weg nehmen oder den anderen, soll man den Bedenken von dem und jenem Rechnung tragen, oder mutig voran, wo ist die Grenze zwischen Mut und Wahnwitz, ist die Abkürzung, vor der gewarnt wird, wirklich kürzer? Und die Finanzierung? Im Abspann werden eine Mengen Menschen erwähnt, die, auch über Crowd-Funding, gesponsert haben – denn es gab doch einige Imponderabilien, die nur mit finanziellem Aufwand zu überwinden waren, speziell, wenn auf dem Landweg eine Meerenge sich breit macht. 

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