Kopfplatzen

Fasziniert von Knaben.

In elaborierten Frames, die den Studiencharakter des Filmes noch hervorheben, zeichnet Savas Ceviz (Buch und Regie) das faszinierende Porträt von Markus (Max Riemelt), einem Architekten und Single, dessen Neigung Knaben gilt; eine Neigung, die auszuleben in unserer Gesellschaft verboten ist, die aber, wie der eindrückliche Psychiater Dr. Jawad (Ercan Durmaz) erklärt, nur bekämpft werden kann, indem der Betroffene sich nicht in Versuchung führen lässt, wenn er nicht Gefahr laufen will, straffällig zu werden. 

Markus hat gespürt, dass ihn Knaben anziehen, dass er seine Neigung kaum mehr verstecken kann. Im Schwimmbad oder aus seiner Wohnung fotografiert er Knaben, im Fernsehen sieht er sie und befriedigt sich dabei, er sucht Kontakt über dunkle Internetkanäle, wobei diese Storyline nicht weiter verfolgt wird. 

Das Drehbuch schickt Markus in Nachbarin Jessica (Isabell Gerschke) mit ihrem Buben Arthur (Oskar Netzel) eine Versuchung der Extraklasse. Der Bub ohne Vater fährt voll auf Markus ab. Der hat ja auch ein liebende und verständnisvolle Zuneigung zu ihm; Konfliktpotential, das wegen einer leeren Milchtüte schier zur Explosion gebracht wird. 

Ceviz inszeniert seine Betrachtung weder diskriminatorisch noch denunziatorisch. Max Riemelt zeigt mit seiner Darstellung, einem Gesicht das gleichzeitig voll des Schmerzes und von Sehnsucht ist, dass er zu den herausragenden Darstellern des Deutschen Kinos gehört. Er wirkt nicht wie ein Übeltäter. Fast leidet man mit ihm an seinem in ihm verschlossenen und nicht salonfähigen Geheimnis und wie er sich in einer quasi-normalen, mittelständisch-bürgerlichen Welt bewegt; wie er dann doch wieder sich aus den Konventionen, wie der Aufforderung, zusammen einen Trinken zu gehen nach dem Boxtraining, mit faulen Ausreden herausstiehlt. 

Schwierig wird die Erkenntnis über seine Neigung auch für Markus‘ Schwester (Luise Heyer), die selber mit Kindern gesegnet ist. 

Die Facetten des Lebens von Markus schildert Cevis unaufgeregt und voll auf sein Thema fokussiert. Die symbolischen Einschübe vom tropfenden Wasserhahn über das Ausnehmen eines Fisches mit dem blutigen Messer bis hin zum Wolf im Gehege dürften mehr illustrierendem Gestaltungswillen als der Sache selbst geschuldet sein und sind meiner Ansicht nach nicht unbedingt nötig. Sinniger erscheint das Nietzsche-Zitat: „Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse“. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert