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Charisma

Cole (Keegan Allen) hat Charisma von der Art, dass er mit seinem Internetkanal Hundertausende, ja Millionen von Followern hat, in dieem Sinne ist der Filmtitel schon mal erklärt. 

Cole schwimmt auf der Erfolgswelle der Klicks und dem damit verbundenen Life-Style, der seiner Generation vormacht, was ein materiell schönes Leben sei, wie solche Leute sich anziehen, frisieren, schminken. 

Ein Charismatiker schart nicht nur Follower (früher hieß es wohl „Gläubige“) hinter sich, sondern auch eine Schar von Jüngern, Begleittroß um sich. Hier sind es Erin (Holland Roden), Dash (George Janko), Sam (Siya), Laura (Kimberly Quinn). Mit ihnen unternimmt Cole Abenteuer, die das junge Leben als erlebnisreich, partyreich, sorglos, happy und verrückt charakterisierern, die zum Ausdruck bringen, dass sie ihre Jugend ausleben – eine virtuelle Hypewelt. 

Diesmal soll es für seine Follower etwas Besonderes geben. Cole sitzt mit seinen Jüngern und Jüngerinnen oder mit seinen Buddys in einem superluxuriösen Großflugzeug in Richtung Moskau. 

Will Wernick, der für Regie und Drehbuch des Filmes steht, und das Genre nach allen Regeln der Kunst bedient, lässt oft lange Reihen von Texten der Follower als Band am Bildrand laufen, besonders schön sind die Wolken aus Herzen und Daumen, die Riesenschwärme, die das Netz anschwemmt; so dass der Zuschauer mit in diese virtuelle Jugendwelt eintaucht. 

Der Mittelsmann in Moskau ist Alexei (Ronen Rubinstein). Er ermpfängt die Internetabenteurer, bringt sie mit schweren Limousinen und Bodyguards in die altprunkig-pompöse Moskauer Hotelburg Monarkh und Moskau sieht mit seinen Palästen und Kirchen aus wie eine hübsche Spielzeugstadt. 

In Moskau erwartet die Amerikaner nebst Russenklischees ein Escape-Room-Abenteuer der besonderen Art. Die Spieler werden beruhigt, sie seien jeden Moment safe, denn alles sei nur vorgespielte Realität; wobei dem Zuschauer Bedenken kommen schon in dem Moment, wie Cole in der Spielräumlichkeit, bei der es sich um ein „bolschewistisches“ Foltergefängnis handle, einer echten Leiche einen Schlüssel aus dem Gedärm puhlen muss, um die nächste Tür zur Befreiung seiner Mitspieler aufschließen zu können. 

Dieses Escape-Spiel läuft, wie es sich genretechnisch gehört (100 Prozent Abenteuer ohne hinderliche Tiefe) und schön fotografiert ab: die Gruppe verliert sich, muss sich gegenseitig helfen, muss hilflos zuschauen, wie einem Mitglied Tortur angetan wird und selbstverständlich gerät die ganze Chose beinah – oder gar ganz? – aus den Fugen. Cole beweist, dass er nicht nur als Internetstar, sondern auch als Gemarterter über genügend Charisma verfügt. 

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