The Witch next Door – The Wretched

Leichte Sommerkost.

Horror mit Ansage ist der Vorspann. Der spielt vor 35 Jahren, wie es heißt, und ist mit allen Zutaten des Genres bestens ausgestattet: das Horrorhaus, die Kellertreppe, die gezielten Lichteinfälle, das verstreute Kinderspielzeug, das Dunkle, Wasserlachen, Indizien von vergangenem Horror, wie die Puppe, der Zahlenwürfel sowie die plötzliche Hexe wie aus der Geisterbahn. 

Nach den Titeln springt der launige Film der Brüder The Pierce Brothers (Brett und Drew T. Pierce) in eine Sommerfrische von heute mit seiner Protagonistenfamilie im Nachbarhaus aus dem Vorspann. 

In der Familie ist der Horror am besten aufgehoben, auch wenn sie nicht mehr ganz intakt ist. Ben (John-Paul Howard), ein Teen, telefoniert mit seiner Mutter, ist aber am See bei seinem Papa Liam (Jamison Jones), der mit Sara (Azie Tesfal) einen Bootsverleih betreibt. Hier im Hauptteil wird der Horror ohne Ansage sein, das macht den Kitzel, denn der Zuschauer weiß mehr über das Nachbarhaus. Im Nachbarhaus ist auch eine Familie zugange mit dem kleinen Buben Dillon (Blane Corckarell). 

Ben selber soll beim Papa mitarbeiten, lernt andere Teens kennen, wird auf Partys eingeladen; aber er findet auch Zeit, merkwürdige Vorgänge im Nachbarhaus mit dem Fernrohr zu beobachten – und irgendwann hat er einen Arm gebrochen, so ein Gipsverband ist zudem ein exzellentes Requisit. 

Aus den Vorgängen im Hexenhaus und Bens Neugier entwickelt sich die für alle Beteiligten unvorhergesehene Dramatik und das Feine bei diesem fein zubereiteten Horrorvorgängen ist, dass es dem Zuschauer überlassen bleibt, ob der Horror nun Einbildung, Hysterie oder Hypersensibiliät der Beteiligten ist oder ob er die Geschichte für bar Münze nehmen will. 

Die Geschichte wird sich indes für die Involvierten als reinigendes Bad entpuppen, eine Sommerfrische, eine Sommer-Erfrischung, die es in sich hat und die auch gar nicht behauptet, dass es Hexen gibt, gar solche, die aus Wurzeln von Bäumen stammen, die es als Material für eine mit gekonntem Horrorspaß fabelhaft erzählte und mit einem makellosen Konfektionscast (ideal für Horror) und dem entsprechenden deutschen Synchro versehene Geschichte nutzt – die im Kino ihren besten Platz haben dürfte. 

Kleiner Gag zur Erheiterung: immer wieder sind nur die Beine von Darstellern zu sehen als Verfremdungs- und Horrorstilmittel, und doch ist sofort klar, zu wem sie gehören – allein das aktiviert Synopsen im Gehirn. Wenn jemand einen Hirsch anfährt, so ist es von Vorteil, wenn er – oder sie – Erfahrung im Ausweiden eines solchen Tieres hat. Und sollte Wikipedia zur Entschlüsselung gewisser Zeichen nicht reichen, so hilft bestimmt „Witchypedia“. 

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