Sohn der weißen Stute – Feherlofia

Männer, die die Welt bewegen

„In Erinnerung an die Skythen, Hunnen, Awaren und andere nomadische Völker“ steht im Vorspann, dieser wunderschön restaurierten Fassung des Filmes von Marcell Jankovics, der mit György László auch das Drehbuch geschrieben hat „nach ungarischen Volksmärchen“. 

Oder auch: Männer auf die Schippe genommen in ihrem Männergetue, ihrem Kraftprotzgetue, ihrem Kämpfergetue – und waren doch nur Arbeiter im Untergrund, in der Unterwelt. 

Wenn ein Mann aber als Säugling von einer Stute als Mutter zweimal sieben Jahre gestillt worden ist, dann kann er Bärenkräfte entwickeln, fast unbesiegbar werden. Dann bekämpft er spielend seine beiden Brüder, die strotzen vor Muskelkraft, Steinbröckler und Eisenkneter, heißen sie. Der eine schiebt wie mit links Berge auseinander und der andere schmiedet Schwerter wie nichts. 

Männer brauchen Frauen oder sollen solche retten. Es geht um drei Feen, die in der Unterwelt von bösen und vielköpfigen Drachen gefangen gehalten werden. Aber erst lasst uns Mittag essen und dann kämpfen und schauen wer der Stärkste ist. Es ist Baumausreißer; die beiden Besiegten schwören ihm Gefolgschaft. 

Der Weg in die Unterwelt gestaltet sich schon schwierig genug und wird nicht leichter durch das Auftauchen eines hinterhältigen Koboldes. Per Seil geht es in das tiefe Loch hinab. Solche starken Männer sind Untergrundarbeiter.

Es ist ein Märchen nach dem traditionellen „Es war einmal“ … im Lande Operenzia und die Zahl 77 kommt zum Verzweifeln oft vor, von allem gibt es 77 Wurzeln, Bäume, Raben, Gefahren, bis die Erzählung schließlich bei der Stute landet, die mit ihrem Sohne schwanger geht. 

Es ist eine fantastische Zeichenanimation, die Jankovics furios auf die Leinwand fabuliert und fantasiert, ornamenthaft, dekorhaft, verspielt, scherenschnittartig, mit einer feuerwerkshaften Explosion an Formen und Farben, Konvulsionen und Emulsionen, nie ist Stillstand, immer ist alles in Bewegung, im Übergang, im Ineinanderfließen, es mangelt nicht an Geschlechtersymbolen, es mangelt nicht an männlichem Kraftprotzentum, an weiblich weichen Formen und an Humor fehlt es schon gar nicht, vielleicht sogar galliger Humor, zumindest ungarischer Humor, der diese Herkules-Figuren nicht für bare Münze nimmt im Gegensatz zum amerikanischen Heldenfilm. 

Es sind rotzige Männerbilder von Männern, die auch klatsch, klatsch den anderen den Hintern versohlen oder die mit einem Händedruck andere Riesen zum Erweichen bringen, die die Welt bewegen und ihren Preis dafür bezahlen …. und landen am Schluss doch nur in einer Eierschale. 

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