Kokon

Kreuzberger Schmetterlinge.

2018 in Kreuzberg. Coming of Age noch vor Corona. Sorglos, wild und doch auch poetisch. 

Im Zentrum steht Nora, 14, (Lena Urzendowsky). Sie lebt mit ihrer Schwester Jule (Lena Klenke) in einem Zimmer bei der Mutter in einem anonymen Wohnhochhaus. Mutter arbeitet nachts in einer Bar. Es kann vorkommen, dass die beiden Mädchen, weil sie nicht schlafen können, im Pyjama dort auftauchen – und herzlich aufgenommen werden. Kreuzberger Herzlichkeit. 

Leonie Krippendorf nähert sich in ihrem Film dem Kokon an, der die Verwandlung des Menschen vom Kind zum geschlechtsreifen Erwachsenen schützend umgibt, das ist die Klique, das sind mehrere Mädels, Jungs; Gruppenbildung ist angesagt als identitätsstiftend in dieser aufgeregten Phase der Identitätsveränderung. 

Aus dem Kokon des Atmosphärischen, das Krippendorf wild zeichnet wie mit Handy in Selfiemanier, wie sie rumhängen, spielen, rappen, zur Schule gehen, erste Blutung, Sex liegt in der Luft, vibriert jeden Text, jede Geste, und immer wieder Swimming-Pool, Party, Nora verletzt sich bei einem Spiel, bricht sich den Arm, aus all dem kristallisieren sich konkrete Begehren heraus. 

Ist das eigene Liebesziel überhaupt beim anderen Geschlecht oder gar beim eigenen? Nora hat etwas Zartes und Poetisches. Schön symbolisch hält sie in Einmachgläsern Raupen und beim Act in der Schule, wie die Kids etwas „Abstraktes“ vortragen sollen, liest sie ein Gedicht über einen Schmetterling, den sie als Schattenspiel live präsentiert. 

Die Schule ist wild, die Kids haben Migrationshintergrund. Plötzlich ist Romy (Jella Haase) im Brennpunkt des Interesses von Nora. Aus dem Chaos der Jugend entwickelt sich Annäherung. Romy hat ein eigenes Zimmer, aber auch da gibt es Düsteres in der Familiengeschichte. Ist Nora für Romy mehr als ein Spielzeug? Eine Party mit wilden Knutschereien lässt Nora das befürchten. 

Schöne Symboliken: zur Party geht Nora als Einhorn und ein Junge zeigt ihr vom Balkon aus unten vor dem Haus einen Fuchs, der in Pizzakartons wühlt. Der Weg durch den Kokon endet für Nora damit, dass sie selbstbewusst ein Eis am Stil lutscht. 

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