I still believe

Felsenfester Glaube.

Zu einem felsenfesten Glauben gehört selbstverständlich das Hadern mit Gott. Auch den Moment gibt es im Leben von Jeremy Camp (K.J.Apa). Es ist der Augenblick, in dem Gott einem Menschen das Liebeste nimmt, hier ist es Melissa (Britt Robertson) – und je größer so eine Liebe, desto größer die Prüfung, die Gott seinem Schäflein zukommen lässt. 

Ganz so explizit formulieren es Jon Erwin und Jon Gunn in ihrem Drehbuch nach dem autobiographischen Roman von Jeremy Camp nicht. The Erwin Brothers, die Regisseure Andrew and Jon Erwin, weichen auch in dieser Szene nicht vom massiv verklärenden Licht ihrer Inszenierung ab. 

Licht einerseits als Energiefaktor, der jede noch so trübe Landschaft strahlen lässt, der Sterne mit der Strahlkraft von Atomkraftwerken malt oder Heißluftballone den Himmel warm aufleuchten lässt, Licht der Sterne im Planetarium, Licht auch in den menschlichen Gestalten, alle Menschen sind nett, verständnisvoll, vor allem aber hingebungsvoll an die anderen, ja mit einem Hauch von Anthroposophie gewürzt, wie mir scheint. So dass Glaube, Licht und Menschlichkeit noch den härtesten Schicksalsschlag zwar mit Tränen für die nicht Abgebrühten, aber nie mit quälenden Schmerzen ertragen lässt. 

Jeremy ist ein aufgestellter junger Mann, Gitarrenspieler. Er verlässt am Anfang des Filmes die elterliche Gemarkung in Indiana, lässt die Eltern mit zwei kleineren Brüdern zurück, der kleinere davon mit einer geistigen Behinderung. 

Er studiert im Calvary Chapel College, wie es im Film heißt, im Internet firmiert es als Calvary Chapel Bible Colleg. Der Begriff Calvary Chapel informiert über den religiösenund damit auch über den geistig-religiösen Hintergrund des Filmes. Dieser wird den Schicksalsschlag, den Jeremy mit seiner Liebe erlebt, erträglich machen, so dass er überleben kann, ja sogar weiter singen, begeisternd und bekehrend singen, gleichzeitig Gott danken. 

Der Film nutzt sämtliche amerikanischen Möglichkeiten des Genres von RomCom über „Will-you-marry-me-“-Filme, Tumor-, Musikfilm und Melodram bis hin zum christlichen Botschaftsfilm, um in perfekter Dichte, Einfachheit und Nachvollziehbarkeit samt Entführung aus einem prosaischen Alltag, die Geschichte dieser Liebe nachzuerzählen. 

Diese Liebe funkt im ersten Moment zwischen Jeremy und Melissa. Im zweiten kommt Jean-Luc (Nathan Parsons) dazwischen, die Erstsemester-Begleitung von Melissa. Die Musik verbindet das Trio – und führt auch zur Entscheidungssituation, denn Jean-Luc ist bereits erfolgreicher Sänger, Jeremy ist gerade dabei, seine Gefühle in seine ersten Songs zu transponieren und vor Publikum aufzutreten. 

Die Gefühle von Melissa sind hin- und hergerissen. Der Tumor funkt in dem Moment dazwischen, in dem sie eine Entscheidung gefällt zu haben scheint. Das ist nach knapp einer Stunde der Fall. Dann schwingt sich das Drama zu einer an Gefühl und Gefühlsinszenierung kaum zu überbietenden Höhepunkt an Hochzeit und Flitterwochen auf. 

Hammerhart folgen die Scherben von Gottes unvorhersehbarem Rat, die in geneigter Weise aufgewischt werden, was der Film maximal gefühlig tut, der ein Menschentum propagiert, das für das reine Leben, das reine Glaubensleben, wie es scheint, geschaffen ist und das in jedem Unglück auch eine Investition sieht, dies nicht ganz gläubig gesprochen. 

Es ist pures Zuckerwattenkino mit Süßholzsound in Reinkultur und mit einer nach allen Regeln der Erzählkunst aufgebauten Geschichte mit Drama und Reinigung, packend gebaut. Aber die Zuckerwatte und der Heilige Glaubensernst, die sind Geschmackssache. Und so wie die Songs der Sänger „wahr“ sein müssen, um ihr Publikum anzusprechen, so stellen die Schauspieler hier entsprechend „wahre“ Menschen dar. Aber es gibt ja nicht nur Melissa, plötzlich taucht eine Adrienne auf, deren Geschichte allerdings gar nicht erst geschrieben wird, ein Schelm, wer sich was denkt dabei. 

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