Ausgrissn! In der Lederhosn nach las Vegas

Das Dorf fährt mit.

Wenn junge Menschen flügge werden, zieht es sie hinaus aus dem Dorf, hinaus in die Welt; sie machen sich auf zu einer Initiations-Reise, zu einer Coming-of-Age-Reise, zu einer Abenteuerreise. 

Das hatten sich auch die bayerischen Jungmänner und Brüder Julian und Thomas Wittmann vorgenommen. Sie empfinden ihr Dorf nicht unbedingt als Hort der Freiheit. Immer nur Wurstsalat im Wirtshaus. Ob das Leben, das sie vor sich haben, mehr Freiheit verspricht? 

Das Ziel der Wittmann-Brüder war, mit ihren Mopeds Marke Zündapp von zuhause aus bis nach Las Vegas zu fahren. 

Daraus wurde eine Reise von 3 Monaten, 12.000 Kilometern, 36 Tankfüllungen und 17 Pannen, wie im Abspann zu lesen ist. Sie wollten das aber nicht nur als Selbsterfahrungstrip machen, sie planten mehr. Ein richtiger Film sollte daraus werden – und ist es auch geworden. Sie fahren also nicht allein, ein kleines Filmteam mit Kameramann Markus J. Schindler begleitet sie (und liefert schöne Drohnenaufnahmen aus Amerika). 

Die Abenteuerreise soll also dokumentiert werden. Ein Selfie des eigenen Coming-of-Age. Und weil es ein dokumentarischer Spielfilm ist, soll er auch einen thematischen Faden haben. Das ist die Frage nach der Freiheit, was ist Freiheit? Ist es, juchzend auf einem Moped durch die Weiten Arizonas zu fahren? Ist es das, einen Joint zu rauchen? Ist es das, von unbekannten Leuten gastfreundlich aufgenommen zu werden, von einem Aussteiger mit philippinischer Ehefrau irgendwo in den Weiten Amerikas? 

Immer wieder kommt auch die Reflektion, was die zuhause wohl sagen werden; denn viele dort haben so eine Reise nie gemacht. In den USA treffen sie auf den Betreiber eines Motorradladens, der gerade einmal in Florida war, sonst immer schön an sein Geschäft gebunden. Ist das Freiheit? Unglücklich scheint der Mann nicht. 

Ist es Freiheit, als Hells Angel mit einem Behinderten im Wilden Westen auf der Flucht zu sein, weil der Angel während seiner Bewährung wieder jemanden umgebracht hat (wie oft erlebt man das schon in einem Film, dass einer erzählt, wie er jemanden getötet hat)? Hilfsbereit ist er; aber dann kommt doch die Forderung nach Geld. 

Die beiden Brüder haben um ihren Reisefilm herum sich nicht nur die Frage nach dem Reisefilm gestellt, sie haben eine kleine Handlung in der Dorfkneipe inszeniert. Sie wollen dort ihren Film zeigen; das stößt nicht auf restlose Begeisterung; man kennt das Denken des Dorfes; das ist Skepsis pur. Und mit der Filmprojektion funktioniert das auch nicht auf Anhieb. 

Die beiden Protagonisten und Abenteuerfilmemacher wirken in dieser Rahmenhandlung wie Greenhorns, verziehen sich in den Keller. Dort gesellt sich Monika Gruber als aufmunternde gute Seele hinzu, sie kommentiert die Erfahrungen der jungen Männer, sie kommentiert das Verhalten des Dorfes. Sie führt zur Erkenntnis, dass bereits der Entschluss zu so einer Reise ein Akt der Freiheit sei. 

Dörfliches Fazit von den Protagonisten: „Scheißt’s Eich nix, dann feid Eich nix.“ Auch eine Interpretation von Freiheit – oder eine Variante vom „Mia san Mia“? 

Und die Lederhosen, hams die die ganze Reise ned auszogn – oder vielleicht doch? 

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