Pandemie

Mann, Frau, Kind,

das ist die zentrale Lebens- und Überlebenszelle der Menschen. 

Um eine solche Zelle herum baut Drehbuchautor und Regisseur Sung-Su Kim seinen koreanischen Katastrophenfilm um den Ausbruch eines neuartigen Virus. Den Film hat er 2013 gedreht; er ist aber durch die Corona-Geschichte hochaktuell geworden, hochunterhaltsam würde ich hinzufügen, weil die Pandemie hier viel lebendiger und genüsslicher ist als deren dröger und langweilige Verlauf in Deutschland. Es geht ja auch um Dramatik und Unterhaltung, Katastrophenunterhaltung. 

Das Kind ist ein mega filmentzückendes Mädchen der Sonderklasse, Mirre (Min-Ah Park). Und wenn man so ein Mädchen nicht ab und an sich selber überlassen täte, würde sich die Katastrophe auch nicht so dramatisch entwickeln. 

Mirres Mutter ist die Ärztin und Seuchenspezialistin Kim In-hye (Soo Ae). Sie ist offenbar alleinerziehend, so dass das Drehbuch sich entscheidet, sie mit dem Rettungssanitäter Jigu (Hyuk Jang) zusammenzubringen. 

Das geschieht in einer dramatischen Rettungsszene. Die Ärztin ist mir ihrem Wagen in einen Schacht gestürzt. In einer spektakulären Rettungsaktion kommt sie so dem attraktiven Mann nahe. Das ist die zentrale menschliche Geschichte, um welche herum sich eine irre Katstrophe in dem Vorort Bundang 15 Kilometer von Seoul entfernt entwickelt. 

Aus einem Container mit geschmuggelten Menschen entweicht der einzig Überlebende. Er ist Seuchenträger. In bester Katastrophenfilmmanier entwickelt Sung-Su Kim den Weg der ersten Ansteckungen, wie das Bewusstsein für die Katastrophe, erst bei den Ärzten, dann bei der Politik, langsam wächst. 

Angenehm im Gegensatz zu amerikanischen Katastrophenfilmen ist auch, dass hier Faustrecht noch Faustrecht ist und die Anwendung von Waffen recht eingegrenzt eingesetzt wird (dafür umso dramatischer, vor allem beim fulminanten Höhepunkt kurz vor Schluss). 

Sonst wird schnell gerangelt, auch in Situationen, in denen Patienten an Schläuchen hängen oder auf Intensivstationen sich befinden. Und weil das Kind immer mal aus guten Gründen irgendwo allein zurückbleibt, weil es aber auch außerordentlich clever ist, gibt es mitten im Pandemie-Chaos waghalsige und abenteuerliche Suchaktionen nach ihm. 

Schließlich wird Mirre sogar zum Hoffnungsträger für das Antikörperproblem – und muss wie eine Stecknadel im Heuhaufen im explodierenden Chaos, in der rasant sich ausbreitenden Regellosigkeit und anderen Scheusslichkeiten gesucht werden. 

Gegen das, was sich Sung-Su Kim hier einfallen lässt, geht es bei uns – bis jetzt jedenfalls – recht gesittet zu und her. Und die deutsche Synchro ist ganz passabel. Schöner Dialog am Anfang: Muss ich die Maske wirklich tragen? – Das ist überhaupt nicht mein Style. 

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