Irresistible

Präsidentschafts-Wahlkampf in Amerika 2016. Die Wahlkampfzentrale in Washington sieht in den Umfragen Defizite in den ländlichen Gebieten der Swing-Staaten, also der Staaten, die den Ausschlag geben können; eine Eigenheit im amerikanischen Wahlsystem. 

Das nutzt Jon Stewart für eine ausgetüftelte Wahlkampfsatire mit überraschendem Ausgang. Wahlkampfmanager Gary Zimmer (Steve Carell) in Washington entdeckt im Internet einen Clip, der einen Ausschnitt aus einer Bürgerversammlung des Kaffs Deerlake zeigt. 

Das Video: Bürgermeister Brown (Brent Sexton) hat die Diskussion um Investitionen im Ort bereits abgeschlossen. Da marschiert zu spät der Bürger und Bauer Jack Hastings (Chris Cooper) in den Saal, stracks aufs Mikro zu und lässt sich nicht abhalten, seine Meinung des gesunden Menschenverstandes zu äußern. Vergeblich, die Diskussion ist beendet. 

Nicht vergeblich für die Wahlkampfmanager der Demokraten in Washington. Sie bekommen den Clip zu sehen, Gary Zimmer ist elektrisiert, wenn sie diesen amerikanischen Helden und Kriegsveteranen für sich gewinnen könnten, dürften sich die Chancen spürbar verbessern; denn im Kern ist die Aussage von Hastings, Prototyop der uramerikanischen Weißen, der aber für Immigranten spricht, quasi autonom amerikanische Freiheit denkt, diese Aussage ist im Kern demokratisch. 

Das versucht Zimmer nun Hastings beizubringen. Der Film nutzt seine Ankunft im ländlichen Amerika, um das Provinzielle gegen das Hauptstädtische auszuspielen. Zimmer reist im Privatjet an; aber die Bruchbude, in der er unterkommt, was Besseres gibt es hier im Hinterland wohl nicht, spottet jeder Beschreibung. 

Die Charakteisierung der Landfiguren ist liebevoll, nie zynisch, sie sind rundliche Menschen, auf Du und Du. Schon bei Zimmers erstem Spaziergang im Ort wird er überall freundlich und mit Namen gegrüßt. Es hat sich rumgesprochen, dass einer aus Washington da ist. 

Die erste Begegnung mit Hastings verläuft wenig hoffnungsvoll. Aber da ist seine attraktive Tochter Diana (Mackenzie Davis); die im Moment der ersten Begegnung ihren ausgestreckten Arm gerade im After eine Kuhe stecken hat …. 

Jon Stewart entwickelt im schnellem Sit-Com-Tempo die Wege zur Wahl, das dialektische Hin und Her mit dem Wahlkampfteam von Bürgermeister Brown, die einiges Geld zur Verfügung zu haben scheint. Das Hastings-Team muss verstärkt werden, Geldquellen erschlossen, Hastings fliegt kurz nach Washington um Sponsoren zu überzeugen, eine schon fast tragikomisch-reale Szene. 

Durch seine satirische TV-Nachrichtensendung ist Drehbuchautor und Regisseur Jon Stewart mit allen Wasser des amerikanischen Wahlkampfes gestählt, Energie und Wissen, was er spannend und gezielt in seinen Film einbringt. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert