Dreiviertelblut – Weltraumtouristen

Ohrwürmer – bayerisch-existentialistisch

Rosi, wie Marcus H. Rosenmüller liebevoll von bewundernden Fans genannt wird, scheint mit diesem Schwarz-Weiß-Heimatfilm, den er mit Johannes Kaltenhauser gemacht hat, nach dem etwas angestrengten Trautmann – Geliebter Feind seine ursprüngliche Freude am Kino wiedergefunden zu haben. 

Rosi ist wieder ganz bei sich (das Bayerische ist sein Element, das haben schon seine „Beste“ – Zeit – Gegend – Chance-Filme gezeigt), wenn er die Musiker Gerd Baumann und Sebastian Horn und ihre Band in einem vereinnahmenden Schwarz-Weiß-Film porträtiert, der das Zeugs zum feinen Sonntags-Frühschoppen-Film beispielsweise im Sendlinger Tor Kino hat. 

Baumann ist der vielseitige Sänger, Musiker und Komponist, Horn ist der philosophische Kopf und Gesangsperformer, Feld-, Wald-, Wiesen-, Natur- und Weltallphilosophie, der dafür sorgt, dass keine rührseligen Klischee- und Kitschtexte aus seinem Munde kommen, dass das Weltall, die Zeit, die Bewegung, die Geschwindigkeit – und ergo die schneckenhafte Langsamkeit – Eingang in die Songtexte finden. 

Herzstück des Filmes sind zwei Konzerte dieser Band zusammen mit den Münchner Symphonikern unter Olivier Tardy im Prinzregententheater und im Circus Krone. Das ist eine imposante Kombination aus klassischer Musik und modernem Bardentum im bayerischen Dialekt, das beim Konzert auf expressive Lightshow nicht verzichtet. Das Publikum wird verführt von einem enormen Ohrwurmsound. 

Unterbrochen werden die Konzertausschnitte von Impressionen von der Tournee (Absackerauftritt in der Hotelhalle), der bayerischen Landschaft, einem Marterl für eine Zigeunerin, der Natur, von Straßen und Ortschaften und auch von Schnipseln mit Brauchtum, aber auch von der Arbeit des Komponisten als Lehrendem an der Musiakademie sowie der Arbeit hinter den Kulissen von Band und Protagonisten. 

Zwischendrin stehen Baumann und Horn dem Regisseur Red und Antwort und es gibt eine kleine, inszenierte Szene in einer verrotteten Waldhütte, in der der Texter Eingebung sucht und wo in einer herrlichen Rakete wie der Mann vom Mond der Komponist durchfroren landet. 

Das Raumzeitgefüge und die moderne Band-Orchester-Musik. Ein schöner Werbefilm, eine Hommage an eine bayerische Ohrenschmalz-Band mit kreativer Gegenposition gegen die oft zitierte „Mia-san-Mia“-Mentalität. Das macht frei, denn wer mit dem Teufel tanzt, der braucht keine Schuhe („wanss mitm Teufel tanzst, brauchst keine Schua“).

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