Von düster zu Horror zu schauderhaft.
L A. ist in diesem intensiven Film von Richmond Riedel nach dem Drehbuch von Malik Vitthal düster, regnerisch, kein Tag und es wimmelt auch nicht in der Stadt. Die Straßen sind vor allem leer, wenige Menschen, Polizeistreifen und dann leere Räume.
Der Film, der wie eine beschwörerische Verarbeitung zum Tod von George Floyd wirkt, wie ein Reinigungsritual mit spiritistischen Anflügen, dreht sich um zwei Hauptfiguren.
Das positive Zentrum ist die Streifenpolizistin Renee (Mary J. Bilge). Sie ist der Prototyp einer aufrechten, humanistischen, ja geradezu biederen Polizistin, die an Gerechtigkeit und Recht glaubt. Sie ist mit einem fürsorglichen Ehemann verheiratet; die beiden haben einen aufgeweckten Jungen, von dem sie ab und an ein Video zugeschickt bekommt.
Um Renee herum dreht die Nacht über Amerika und über L. A. ihre Schlingen, versucht die Polizei ihre Korruption zu vertuschen. Renee hat einen verständigen Chef, den Sergeant Kesper (David Zayas). Sie geht auf Streife mit dem jungen Danny (Nat Wolff).
Vitthal zeichnet diese Figuren mit einer nahen Menschlichkeit aus, mit menschlicher Wärme. Es sind keine gedankenlose Haudraufs oder Losballercops. Sie alle sind mit Body-Cams ausgerüstet.
Überhaupt läuft ein Großteil der Polizeiarbeit über Laptops und Handys, auch die Auswertung der Bodycams.
Die andere zentrale Figur ist bald schon tot. Es ist ein 14-jähriger schwarzer Junge, ein Musterbeispiel an sozialem Engagement. Er wird das Opfer eines Polizeieinsatzes. Der ist per Body Cam auf Video aufgezeichnet. Darum herum drehen sich wiederum Vertuschungsaktivitäten und des Jungen Mutter Taneesha (Anika Noni Rose) wird zu einer unberechenbaren, hintergründigen Dunkelfigur.
Bei ihren einsamen Streifenfahrten stoßen Renee und Danny auf ermordete Polizisten, auf schauderhaft zugerichtete Leichen; auch in der Pathologie. Und Renee versucht, sich einen Reim aus allem zu machen, bis zur brutalen Lösung der dunklen, düsteren Vorgänge am Ende der Nacht.
Der Film bannt durch seinen menschlichen Realismus, mit dem er anfängt, wie er die Polizeitruppe als honorig und human zeichnet; offenbart dann schauderliche Bluttaten oder ist gar dabei und bedient sich salopp übersinnlicher Elemente, die möglicherweise Revenge-Fantasien entsprungen sind. Er verliert nie die Bodenhaftung – das macht den Film so dicht, so spannend, auch wenn er zwischendrin mal in der billigeren Horrorkiste wühlt, wenn aus einer Schublade plötzlich ein Schwarm von Kakerlaken strömt.
So nähert sich der Film auch immer wieder dem Genre des Psychothrillers – in den Momenten, in denen es um die Einsicht in die Geisteswelt von Renee geht; sie würde echt mal ein paar Tage Entspannung verdienen. Können Bilder und solche von BodyCams lügen?