The King of Staten Island

Hier wird mit harter amerikanischer Beziehungsmünze gearbeitet. Man ist ja nicht im schicken Brooklyn, sondern auf Staten Island. Das ist inhaltlich und von der Lebensqualität näher bei New Jersey. Da bietet ein 24-jähriger Rumhänger und Tunichtgut, Scott (Pete Davidson), mit seinen Kumpels, die auch dem „Gras“ zugewandt sind, einem Buben (Luke David Blumm) ein Tattoo an und beginnt nach dessen Einwilligung auch gleich mit dem Stechen. Über einen jämmerlichen Strich kommt er nicht hinaus, da läuft der Bub, der sich wichtig Harold nennt und nicht Harry gerufen werden will, davon. 

Dieser armselige Tatto-Strich ist die Basis, auf der Judd Apatow, der mit Pete Davidson und Dave Sirus auch das Drehbuch geschrieben hat, seine Geschichte aufbaut. Der Strich führt zum Zusammenprall an der Haustür von Sotts Mutter Margie (Marisa Tomei) mit Harolds Vater Ray (Bill Burr), der geladen ist wie irgendwas und empört über den Strich. 

Klar, dass das komödiantisch so inszeniert ist, dass aus der Begegnung der beiden Menschen mehr wird. Denn Ray ist getrennt von seiner Frau und Margie ist Witwe, seit ihr Mann bei 9/11 als Feuerwehrmann starb. 

Für Scott ist es nicht leicht, als Sohn eines Helden und ohne Vater aufzuwachsen. Aber es würde nicht zu der rasant in der Art einer Sitcom inszenierten Geschichte passen, wenn hier psychologisiert würde. 

Es gilt die bare Münze der Erzählung, der Bericht, der auf dem Leben von Pete Davidson beruht, schonungslos den Fakten ins Auge zu schauen und sie allenfalls verkürzt und verknappt und mit Auspolsterungen ergänzt auf den Nenner zu bringen, denn die komödiantische Filmerzählung hat andere Gesetze als das Leben. 

Kein Wunder also, dass Scott das Hotel Mamma liebt. Sie ist Krankenschwester und seine kleiner Schwester Claire (Maude Apatow) ist eben von zu Hause auggezogen, um ins College zu wechseln; ein feierlicher Abschied mit Party, bei dem Scott einen Anzug tragen soll. 

Scott jobbt gelegentlich als Tellerabräumer in einer Systemgastronomie. 

Das einzige, was glänzt auf Staten Island, sind die Feuerwehrautos und wie der Zufall es will, ist auch Ray bei der Feuerwehr. Diese wird sich noch als der Ort erweisen, in dem Männer sich menschlich näher kommen, Hort der Humanität, was sich auf die Entwicklung des Menschen, auf seinen Reifeprozess positiv auswirkt und den Boden für einen runden Schluss legt. 

So wie die Feuerwehrmänner sich bedingungslos ihrem Job hingeben, geben sich die Schauspieler bei Judd Apatow ihrem Projekt hin und machen daraus ein trittsicheres Kinostück, das die Menschlichkeit nie aus dem Auge verliert und ihr jede Menge kinoerzählenswerter Irrungen und Wirrungen erlaubt. 

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