What you gonna do when the World’s on fire?

Sollte es, was zu erwarten ist, einen Film über Georg Llloyd geben, den Afroamerikaner der durch einen weißen Polizisten mittels gnadenlosem Zusammendrücken der Atemwege in 8 Minuten 46 Sekunden anno 2020 zu Tode gekommen ist, was eine Welle an Demonstrationen gegen Rassimsu weltweit ausgelöst hat, sollte es diesen Film geben, so könnte diese vorliegende, bestechende Schwarz-Weiß Fotographie-Meditation von 2018 von Roberto Minervini als Prequel genommen werden. 

Ein Stimmungsbild aus einer schwarzen Community im Süden der USA ohne namentlichen Standort. Spielzeit ist Sommer 2017. Die Protagonisten sind die expressive Judy, blondiert, riesige Ohrringreifen, sie hat eine Bar betrieben und hat ihre Mutter bei sich, die uralt wirkt und nach einem bitteren Leben aussieht. 

Der Film ist eine Art Selbstdarstellungsdoku. Die Infos kommen über arrangierte Gespräche zwischen den verschiedenen Protagonisten. Gerahmt wird der Film von einer Gruppe von Indios, die eruptive Tänze und Songs in prächtigen Kostümen für den Mardi Gras vorbereiten und aufführen; was schon mal die Region um New Orleans nahelegt. Das ist ein wiederkehrendes Motiv, die Arbeit an den Kostümen, das Aufnähen der Glasperlenketten. Und dabei Gespräche, die die generationenlange Ungerechtigkeit den Indios gegenüber erinnern. 

Zu den Porträtierten gehört auch eine militante Gruppe neue Black-Panther. Die ziehen uniformähnlich angezogen durch die Straßen des namenlosen Ortes; sie skandieren Texte, die Gerechtigkeit fordern, die an den Tod von Alton Sterling erinnern und an viele andere, die starben, weil sie schwarz sind. Gleichzeitig engagiert sich die Gruppe The New Black Panther Party For Selfdefense für Obdachlose, bringt ihnen Essenspakete und Wasser. 

Es gibt Gespräche zwischen Ronaldo, der etwa 14 ist, und seinem kleineren Bruder Titus. Sie streifen in Niemandsland umher, philosphieren am Flussufer, setzen sich auf Bahnschienen, bevor der Zug kommt. Ihre Mutter unterhält sich mit ihnen. Sie will ihnen schwarzes Verhalten beibringen, warnt sie davor, in kriminelle Karrieren abzugleiten. 

Judy erzählt im Gespräch mit einer anderen Frau von ihrer Frauwerdung, von Crack und einem Sugar Daddy, den sie ausgenommen hat. 

Es ist ein Stimmngsbild in verführerisch schönem Schwarz-Weiß, das an 400 Jahre Unterdrückung und Sklaverei der Schwarzen gemahnt und dass die Gleichheit der Menschen in der hochentwickelten USA immer noch nicht da ist, es fällt der Begriff des „African Holocaust“; aber es wird auch vorgerechnet, dass die Erziehung von Kindern billiger wäre als deren Unterbringung im Knast. Es ist gleichzeitig ein Blackploitation-Movie, das es trotz Schönheit der Bilder gerade noch schafft, an der Romantisierung des Elendes vorbeizuschrammen. George Lloyd spätestens verschafft dem Film eindringliche Brisanz und Aktualität. 

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