The Vigil – Die Totenwache

Schomer/Litvak/Mazzik

Ein Schomer ist ein Mann, der die Totenwache hält, eine jüdische Tradition. Es sollte ein Verwandter oder ein Freund des Verstorbenen sein; falls so jemand nicht verfügbar ist, kann es auch jemand Fremdes machen gegen Geld. 

Litvak ist der Familienname des Verstorbenen. Er hat nur seine Witwe (Lynn Cohen) und niemanden, der die Totenwache halten könnte.

Mazzik sind jüdische Geister, die sich schon zwischen den Schöpfungstagen in die Menschheitsgeschichte eingeschleust haben. 

Die Hauptfigur in diesem Film von Keith Thomas ist der junge Mann Yakov (Dave Davis) aus dem orthodox-jüdischen Viertel, das im Film Menashe vorgestellt worden ist (der Rebe Shulem wird von Menashe Lustig gespielt, der dort die Hauptfigur war). 

Yakov leidet unter dem Trauma, dass er seinen kleinen Bruder nicht gegen einen antisemitschen Angriff in den Straßen New Yorks verteidigen konnte. Deshalb versucht er, die posttraumatischen Störungen mit Medikamenten und dem Besuch eine Therapie-Gruppe zu bekämpfen. Von der jüdisch-orthodoxen Gemeinde hat er sich losgesagt. Deshalb hat er auch Geldprobleme und er leidet darunter, dass er Frauen gegenüber Hemmungen hat. 

Rabbi Shulem will Yakov für die Gemeinde zurückgewinnen und stalkt ihn. Eines abends macht er ihm den Vorschlag, für Litvak den Schomer zu spielen, denn jemand anders seit kurzfristig abgesprungen – vielleicht auch nur ein Trick. 

Der Rabbi ahnt wohl, dass in so einer Nacht die Geister los sein können, dass so eine Nacht kathartisch wirken kann. Das wird sie denn auch, leider nicht in dem Sinne, dass Yakov reumütig zur Gemeinde zurückkehren möchte. 

Keith Thomas inszeniert diese Geschichte in schönster Konvention des Horrorgenres und mit einer umfangenden Musik. Er setzt bekannte Horroreffekte geschmeidig, sehr ordentlich ein. Es ist eine sämige Geschichte. Zu den üblichen Horrorelementen vom Knackgeräusch über vorüberhuschende Schatten, dem Auftritt der dementen Witwe bis hin zu Bewegungen unter dem Leichentuch oder die kleine Ratte über den Boden fügt Thomas noch speziell jüdische Elemente ein, das ist die Info über den Mazzik, die Yakov wie im Traum erhält, die werden als Parasiten geschildert, Dämonen, die alle geistigen Dimensionen zerfressen. 

Der Holocaust gehört auch dazu (in der Geschichte von Litvak). 

Eine solchermaßen durchseuchte Nacht führt zu einer Katharsis. Auch das schildert Keith Thomas schulbuchmäßig ordentlich und gut lesbar, immer im Rahmen des Konventionellen, das er bestens beherrscht. 

Und nicht zu vergessen: Sarah (Malky Goldman) tritt ins Leben von Yakov. 

Der Film scheint geprägt von diesem wohlig Familiären, was das Orthodox-Jüdische auszeichnet, dieses, dass jeder jeden ständig beeinflussen möchte, dass die Gemeinschaft eine kaum zu lösende Fessel ist – und dem Kino indes etwas Fesselndes beschert. 

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