Leif in Concert: Vol. 2

Ein Film mit Freunden.

Corona verleiht diesem Film „mit Freunden“ von Christian Klandt eine möglicherweise historische Dimension. 

Befreit vom Stressfaktor „Subvention“ winden Klandt und seine Freunde ein Kränzchen der Kleinkunst im Keller, Brutstätten von Musikern, Startuppers, Sängern, Tänzern; aber genau solche Räume, sind auch die Brutstätten des Virus geworden. Sie sind die am härtesten getroffenen Opfer der Corona-Politik der Regierung; es sind vor allem Soloselbständige, die zwar, wenn sie in der Künstlersozialkasse sind, einen Ersatz bekommen haben für drei Monate, je nach Bundesland. Sie sind es aber auch, die durch die rigorosen Anticoronamaßnahmen am ärgsten in Mitleidenschaft gezogen worden sind; und die Zukunft ist unklar. Wie soll Stimmung aufkommen in einer Kellerkneipe, wenn die Leute die Abstandsregeln einhalten sollen – und ständig die Hygienepolizei droht? 

Luise Heyer spielt die Bargöttin Lene. Sie kündigt am Schluss den Stargast Leif aus Dänemark an. Sie ist polyglott, wie man sich eine Deutsche nur wünschen kann, sie parliert auf Farsi, Herbräisch, Dänisch, Italienisch, Französisch und Russisch. 

Regisseur Christian Klandt schätzt jeden in seinem Ensemble. Er macht sich einen Gag draus, in den Titeln als größte Namen, denjenigen des Praktikanten zu erwähnen. Er selbst taucht bescheiden im Abspann auf. 

Eine Teamarbeit mit entfesselten Darstellern, die alle ganz genau ihren Typ spielen, Typ verstanden als Mensch, der das tut, was er zu tun müssen glaubt, der die Zeitenläufte erstaunt, irritiert oder humorvoll schmitzig betrachtet; so dass einer mit viel Disziplin versucht, das Rauchen zu beginnen, während die andere Veganerin ist, aber die Nase voll hat von Gemüse und nur noch Fleisch essen kann. 

Es ist eine Welt, die weise Sprüche liebt wie „Leben ist das, was manch einer versäumt, während er sich vor dem Tod fürchtet.“ „Man sollte sich Geld nur von einem Pessimisten leihen – er erwartet es nicht zurück.“ „Man sollte grundsätzlich die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Realität vor allem ein Missverständnis ist.“ „Würden sich Dinge durch Schweigen verkaufen, die Stille unter den Menschen wäre unerträglich.“. 

Tilo Prückner, der überraschenderweise kürzlich verstorben ist, spielt mit als einer der Freunde, den Promiwirt Günther, eine seiner letzten Rollen. Es gibt Widrigkeiten zwischen den Türstehern, die in einer berührenden Szene sich versöhnen, ja sich küssen. Es spielen weiter mit als Klatschfeuilletonist Mirko Tom Lass, es gibt Startupper One-Hit-Wonder Martin, den Schlafgast, den Weinmann, den Biermann, die 45°-Yogalehererin, einen singenden Saug-Roboter, eine Choreografin, einen Römischen Klempner, eine Zigarettenfrau, allen gehört ein Sträußlein gewunden für ihre wunderbare Präsenz.

Der Film spielt an einem Tag in dieser Keller-Jazz-Kneipe oder Bar, die familiär eingerichtet ist und bis zuletzt ist nicht klar, ob das angekündigte Konzert überhaupt stattfinden wird. 

Als Gäste werden selbstverständlich begrüßt die Oma, die tagsüber eigentlich nur reinkam mit ihrem Enkel, weil sie mal musste. So ein Film erlaubt sich, das Thema des Pippi-Gehens im Film zu besprechen; deshalb ist vielleicht das gewisse Örtchen auch eine halbe Bibliothek und es wird diskutiert, welche Literatur für den Stuhlgang förderlich sei.

Tagsüber wird das Lokal Künstlern und Künstlergruppen zum Üben zur Verfügung gestellt. Im Moment sieht es allerdings großwetterpolitisch nicht darnach auch, dass ein Künstlersubstrat wie eine solche Lokalität bald wieder zum hier gewürdigten Humanmodus zurückfinden kann; und ob es die Künstler dann alle als Künstler noch gibt, sollten Abstandgebot und Hygienebürokratievorschriften mal wird verschwinden, das steht in den Sternen. 

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