Into the Beat – Dein Herz tanzt

Lernen vom amerikanischen Kino

Hier versucht das deutsche Kino, vom amerikanischen Kino zu lernen. 

Regisseur Stefan Westerwelle hat mit Hannah Schweier auch das Buch geschrieben. Das ist vom Denken und vom Prinzip her schon mal ganz gut. Die Erzählmethode ist diejenige, dass eine Entwicklung angekündigt wird und dann soll der Kinobesucher sich an dieser Vorhersehbarkeit erfreuen, an der perfekten Performance. 

Zuerst wird Katya (Alexandra Pfeifer) vorgestellt. Sie soll 15 sein (hier ergibt sich allerdings schon das erste, gravierende Besetzungsproblem), stammt aus einer berühmten Ballettdynastie, ihr Vater Victor (Trystan Pütter) ist ein berühmter Ballett-Star; die Tochter ist auf dem Sprung an die New Yorker Ballet Academy. 

Dem kommt die Begegnung mit dem Hip-Hop-Tänzer Marlon (Yalany Marschner) in die Quere. Auch hier macht die erste Szene klar, dass zwischen den beiden sich Liebe entwickeln wird und auch klar, dass das Aufkeimen dieser Liebe von Hindernissen begleitet sein wird. Das ist drehbuch-lehrbuchhaft.

Katyas Konflikt wird der sein, sich zwischen den Erwartung des ehrgeizigen Vaters und den Hoffnungen von Marlon, dem „Alien“ – und ihrem eigenen Glück – zu entscheiden. Denn die Hip-Hop-Tanzgruppe und Marlon stehen ebenfalls vor einem Vortanzen – für eine Asientournee. So weit so ordentlich. 

Als Rührelemente kommen die Infos hinzu, dass Marlon weder Vater noch Mutter hat, mithin ein Waise ist und Katya eine Halbwaise, dass ihre Mutter gestorben ist; im Film noch muss sie einen grausamen Sturz (der vor allem ausgeblendet wird; Mitproduzent ist ein Kinderkanal) ihres Vaters auf der Bühne erleben, der ihn tanzunfähig machen wird. Auch so weit so ordentlich gedacht und entwickelt. 

Und so oder ähnlich funktionieren die amerikanischen Tanzfilme, die sich überall auf der Welt verkaufen. Aber wir sind in Teutonien. Wir haben es mit teutonischen „Moves“ zu tun. Wir haben es mit teutonischen Akteuren zu tun. Wir haben es mit einem teutonischen Talentpool zu tun – und der ist deutlich kleiner als der amerikanische und es stellt sich die Frage, ob dieser überhaupt systematisch nach acting-dancing-talents durchforstet worden ist. 

Stefan Westerwelle hat mit Matti & Sami und die drei größten Fehler des Universums einen ansprechenden Kinderfilm vorgestellt. Aber es ist eines, eine hübsche kleine Flunkergeschichte für Kinder zu erzählen oder sich an das Kaliber Kinder-Musik-Tanz-Film zu wagen. Zu schnell wird daraus, wie der vorliegende Film zeigt, ein teutonischer Move mit Rührgeschichte aus der Mayonnaisetube inkluisve der entsprechenden Musik. 

Das dürfte insgesamt mit der deutschen, subventionierten Filmkultur zusammenhängen; wobei gerade Tanz, erst recht der klassische, besondere Disziplin verlangt, Energien und Widerstand in der Performance fordert, die dem entmündigten deutschen Subventionsfilm fremd sind. Sinnbildlich dafür mag sein, dass es mehrere Einstellungen gibt, in denen vor allem Betonboden zu sehen ist mit zwei kleinen, tanzenden Figuren drauf. 

Da der Film in Leipzig und Hamburg gedreht worden ist, muss er wegen Leipzig kinderkanalgerecht sein und aus der Hansestadt muss mindestens einmal tourismuswirksam die Elbphilharmonie ins Bild, das verlangt eine Filmförderung, die sich vor allem als Standortmarketing versteht. 

Die Dialoge dürfte copy-paste einem Leitfaden für Dialoge im TV-subventionierten Kino entnommen sein, austauschbare Sterilsätze, Klischeesätze, wie Katya ihrem kleinen Bruder sagt „Wir müssen jetzt ganz toll lieb sein“; solche Sätze segnet ein jeder Fernsehredakteur blind ab. Entsprechend viel setzen die Darsteller ein Seifenlächeln auf, damit das Kino auch wirklich schmerzfrei bleibt, TV-Süßware. 

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