Eine grössere Welt

Und Küchenrezepte für die Touristen

Trendsportart Schamanismus? 

Zumindest für westliche Wahrheitsabenteurer. Das ist ein kleines Apercu in diesem Film von Fabienne Berthaud (Barfuß auf Nacktschnecken). Sie illustriert oder stellt nach die Mongolei-Schamanismus-Erfahrung und -Initiation von Corine Sombrun, Tontechnikerin aus Paris. 

Sombrun hat auch fünf Jahre nach dem Tod ihres Mannes Paul, eines Musikers, eine Neigung zu Depression, sie kann nicht trauern; sie hat Absenzen bei der Arbeit im Studio. Ihr Boss macht ihr ein Angebot, in weiter Ferne Originalgeräusche mit dem Mikro einzufangen. Sie will so weit wie möglich weg, das ist die Mongolei. 

Hier kommt sie in Kontakt mit der Schamanin Oyun (im Film: Tserendarizav Dashnyam) und es entpuppt sich, dass sie selbst solche Fähigkeiten besitzt. Sie wird sich dazu ausbilden lassen. 

Darüber hat Sombrun ein Buch geschrieben. Fabienne Berthaud hat es mit der wunderbaren Cécile de France als Corine verfilmt mit einer verspielten Freude an verträumten Nahaufnahmen und somit als exzellente, leicht versponnene Atmosphärenmalerin, wobei in den engen mongolischen Jurten das auch kaum anders möglich ist. 

Allerdings bleibt es für mich ein Fachfilm für Fans und Freunde von Corine Sombrun, des mongolischen Schamanismus oder von Schamanismus überhaupt, ok, und natürlich auch für Mongoleiromantiker. 

Und es ist Fake. Ist ja von einer Schauspielerin gespielt. Zu diesem Thema gibt es eine erhellende Szene. Zwei Touristen kommen bei den Nomaden an. Vorm Zelt sitzt ein Teil der Familie. Sie nehmen Geld. Dann verschwinden die beiden Touristen im Inneren. Es ist Tageszeit, auch das schon ein Sakrileg des Schamanischen. 

Wie Corine sich darüber wundert, erhält sie von ihrer Dolmetscherin und Begleiterin Naraa (Narantsetseg Dash) die Auskunft, ja, schon, aber die Schamanin würde deshalb auch nicht die Originaltexte, sondern lediglich Küchenrezepte laut als Rituale sprechen. 

Und so dürfte es mit dem Film möglicherweise auch einen gewissen Fake haben, es ist nachgestellt und die schamanischen Visionen im Trancezustand hat Fabienne Berthaud als schön verspielte Impressionen montiert. 

Ein Ethnofilm für die Ethnofreunde. Es kommt auf den Moment an. Man darf nicht ungeduldig sein mit der schamanischen Eingebung, man muss bereit sein dazu, auf das Bereitsein kommt es an. Und wer bereit ist, der kann von diesem Film ganz schön was haben, von der Schönbildverliebtheit von Fabienne Barthaud als Mittel der Beschreibung mongolischen Schamanismus‘. 

Und den Wolf werden wir auch noch finden.

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