Das Wunder von Taipeh (DVD)

Eine abenteuerliche Geschichte

aber auch für den DFB eine peinliche Geschichte, der Aufstieg der Fußball-Frauenmannschaft von Bergisch-Gladbach 1981 zur Weltspitze. Und ein Beleg dafür, wie der Mensch offenbar kein größeres Problem hat als das des Geschlechterunterschiedes, warum sonst soll das so ein Problem sein, dass Frauen Fußball spielen? 

In der breiten Öffentlichkeit findet Frauenfußball nach wie vor wenig statt. Wie es im Mai dieses Jahres nach Corona um die Wiederaufnahme des Fußballspielbetriebes ging, war das dominierende Thema die Nationalliga des Männerfußballs. In den zwei Monaten Corona-Lockdown ist zwar täglich seitenweise über Männerfußball geschrieben worden; Frauenfußball hat vielleicht ein oder zwei Mal stattgefunden. 

Insofern ist der in aufgeregtem Sportlerspielrhythmus und fernsehasthmatisch kurzatmig ineinandergeschnittene Film aus Archivmaterial und heutigen Statements mehr eine verrückte, unglaubliche Geschichte, denn Erinnerung an einen Meilenstein in der Geschichte des DFB, der sie auch war, nämlich, dass Frauenfußball Einzug gefunden hat in die Männerdomäne des DFB und dass nach 1981 sogar eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft gebildet wurde. 

Die Geschichte hat Singularitätswert innerhalb des Weltfußballs der Frauen. Die von Anne Trabank Haarbach trainierte Vereinsmannschaft aus Bergisch-Gladbach hat jahrelang den deutschen Frauenfußball dominiert. Geld zu verdienen gab es kaum. Teils mussten sie auf dem schlechtesten Platz spielen, obwohl viel gepflegtere leer standen, auf halbem Acker, so dass sich einmal bei einem Spiel eine Spielerin ein Bein brach. 

Die entscheidende Figur scheint die Trainerin zu sein, die den Spielerinnen dieses Gemeinschaftsgefühl beibringt, das unbezahlbar ist und vermutlich wichtiger als jede Berühmtheit, jeder Sieg oder die öffentliche Anerkennung, ein Teamgeist, der Freundschaften fürs Leben begründet.

Das Kuriosum ist nun, dass 1981 in Taipeh eine Frauenfußballweltmeisterschaft stattfindet, dass aber Deutschland ohne Nationalmannschaft dasteht. So fragen die Chinesen, ob es denn eine treffliche Vereinsmannschaft gebe, die da teilnehmen könnte. So fing das an, was zu dem nicht zufällig an „Das Wunder von Bern“ erinnernden Titel führt, den Seidler für seinen Film gewählt hat, zu dem Wunder von Taipeh. 

Der Dokumentarist hat als neu gedrehtes Material die Teilnehmerinnen von damals befragt und auch zu einem Treffen zusammengeführt. Der Film macht wie Die Unbeugsamen auf die unendliche Kämpferei der Frauen um Gleichberechtigung aufmerksam in der Atemlosigkeit eines 80-Minuten-Laufes. 

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